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Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
Entstehung
Seite
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119vielen Söhne so vortheilhaft als möglich unterzubringen suche. Imvorliegenden Falle habe derselbe dahin gearbeitet, für einen seinerPrinzen, entweder Franz Siegismund oder Ludwig Anton, die Erz-bischofwürde und somit den Kurhut von Köln zu erlangen, oder fürden Fall, daß der Prinz Joseph Clemens von Bayern gewählt werdensollte, alsdann die Ansprüche seines Hauses auf eine dereinstige Erb-folge in Bayern mehr zu befestigen. Die Richtigkeit oder das Unwahrediefer Behauptungen klar festzustellen, dürfte schwerlich gelingen, ohneEinsicht in die gewiß sehr geheim gehaltenen dahin zielenden Corres-pondenzen; indeß kann man solche Absichten dem überaus schlauen di-plomatischen Sinne des alten Kurfürsten wohl zumuthen, der ja stetsauf densplendor und daslustrum seines Hauses so großesGewicht legte, und früher schon einmal, zunächst für sich, dann füreinen seiner Söhne nach der Krone Polens gestrebt hatte. Für seinenEhrgeiz war es sehr verlockend, den Territorialbesitz der Pfalz, desStiftes Köln, der Herzogthümer Jülich und Berg und vielleicht auchder Bisthümer Münster, Lüttich und Hildesheim in den Händen seinerFamilie zu sehen.s)Nach geschehener Wahl wollte Fürstenberg dem Kaiser und demReichstage das wichtige Ereigniß officiell kundmachen, allein seineBotschafter wurden abgewiesen, unter dem Vorwande, daß die Wahlnicht eher als gültig anerkannt werden könne, bevor der Papst die-selbe bestätigt habe. Innocenz XI. verwarf jedoch nicht allein dasGeschehene, sondern befahl eine Neuwahl, zu welcher er den PrinzenJoseph Clemens als Candidaten empfahl. Wiederum entstanden inKöln lebhafte Unterhandlungen zwischen den Gesandten des Kaisers,Ludwigs XIV. und vieler deutscher Reichsfürsten. Jeder suchte demAndern zuvorzukommen in seiner Einwirkung auf das Domkapitel.Ehe jedoch die neue Wahl zu Stande gekommen war, starb KurfürstMaximilian Heinrich am 3. Juni 1688, und die Angelegenheit trat ineine neue Verwickelung. Die geistlichen Stühle von Köln, Lüttich, Münsterund Hildesheim waren durch diesen Todesfall erledigt, und dadurchdem Spiel der Intriguen ein neues, weites Feld eröffnet, welchesLudwig XIV. hoffte zum Nachtheile Deutschlands ausbeuten zukönnen.*) Der franz. Minister Croissy hatte sich in Paris gegen den brandenb. Be-vollmächtigten Spanheim dahin ausgesprochen, daß Fürstenberg seineWahl nur dem Kurfürsten von der Pfalz zu verdanken habe, weil dessenweitgehende Absichten noch zur rechten Zeit zur Kenntniß MaximilianHeinrichs und des Domkapitals gekommen wären. Pufendorf XIX. 59.60. Theatr. Europ. XIII. 375, 376.