118Schon im Januar 1688 hatte nemlich der Kurfürst MaximilianHeinrich von Köln auf Anstiften Ludwigs XIV. dahin gearbeitet, denPrinzen Wilhelm Egon von Fürstenberg, Cardinal und Bischof vonStraßburg, zu seinem Coadjutor zu bestellen. Die Wahl dieses durch-aus im Interesse Frankreichs sich bewegenden Kirchenfürsten zu einerso hervorragenden und wichtigen Stellung im Reiche, rief nicht nuram Hofe des Kaisers zu Wien, sondern auch auf dem Reichstage zuRegensburg bei allen deutschen Reichsständen, welche es mit dem Kaiserund Reich ehrlich und aufrichtig meinten, die größte Besorgniß her-vor. Kaiser Leopold I. hatte den Grafen Kaunitz nach Köln gesendet,um bei dem dortigen Domcapitel den Intriguen des französichen Ge-sandten, Herrn von Gravelle, entgegen zu arbeiten,?) auch sollte er,neben dem Prinzen Joseph Clemens von Bayern, den Bischof vonBreslau, Franz Ludwig von Neuburg oder den Deutschmeister LudwigAnton von Neuburg, beide des Kaisers Schwäger, dem Domcapitelzur Coadjutorwahl empfehlen. Aber alle diese Vorstellungen bliebenohne Erfolg; französischer Einfluß und auch französisches Geld hattenzu gut gewirkt. Vergebens hatte auch Johann Wilhelm versucht, dieWahl Fürstenbergs zu hintertreiben. Er hatte sich nach Köln begeben,und den Kurfürsten Maximilian Heinrich um eine Unterredung gebeten, war jedoch angeblich wegen Krankheit des Kurfürsten, abgewiesenworden. Nun ließ er ihm vorstellen, daß die beiden Neuburger Prinzenvon der Candidatur zurücktreten würden, wenn der Kurfürst seineneigenen Vetter, den Prinzen Joseph Clemens, als Coadjutor bezeichnenwollte; aber auch dieses Auskunftsmittel blieb ohne Erfolg, da Maxi-milian Heinrich zu fest an das französische Interesse gebunden war.Er berief das Kapitel zur Wahl, und am 7. Januar 1688 war trotzder Abmahnung des päpstlichen Nuntius in Köln, der Cardinal vonFürstenberg mit 18 Stimmen gegen 6 fehlende zum Coadjutor erwähltworden. Im letzten Augenblicke hatten noch die Verdächtigungen gegenden Kaiser und dessen Schwiegervater, den Kurfürsten Philipp Wil-helm von der Pfalz und seine Familie, welche Ludwig XIV. durchseine Agenten überall verbreiten ließ, einzelne schwankende Stimmenfür Fürstenberg gewonnen.Der König behauptete nemlich, die mißgünstige Stimmung gegenden Cardinal von Fürstenberg sei hauptsächlich durch den KurfürstenPhilipp Wilhelm von der Pfalz angeregt worden, welcher mit Bewilligung und Unterstützung seines Schwiegersohnes, des Kaisers, seine2) Kaunitz kam mit guten Rathschlägen, aber ohne Geld, sagt ein gleich-zeitiger Berichterstatter. Galetti, Allgem. Welthistorie, 59 Th. pag. 96.
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Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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118
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