108mithin — da 1% dieses Einkommens auf 1250 Thlr. sich berechnete7500 Thlr. votirten, zur Erleichterung des Landes. Zum Ersatzder ausfallenden Kammereinkünfte wurden ebenfalls ziemlich bedeutendeBeträge umgelegt.Ein anderer Zwischenfall gab dem Fürsten die gewiß nicht un-willkommene Gelegenheit, sich besonders gegen die jüngeren Mitgliederder Landstände in sehr scharfer Weise auszufprechen. Der BanquierSchardinell nemlich, welcher zur Zeit der französischen Invasion inden früheren Jahren Geld zur Bezahlung der auferlegten Contribu-tionen beschafft hatte, behauptete, die Stände hätten ihm damals eineGratification von 1000 Thlrn. versprochen, er habe jedoch bis jetztnoch nichts erhalten. Die Stände stellten dieses Versprechen in Abrede,und verweigerten es, auf diese angebliche Forderung näher einzugehen.Aus leicht begreiflichen Ursachen nahm sich jedoch Johann Wilhelmdieses Finanzmannes lebhaft an. Bei der Audienz erklärte er denStänden, dieses Ableugnen des gegebenen Versprechens müsse ihn sehrbefremden, diejenigen, welche es gegeben, seien ihm wohlbekannt, erglaube aber, daß „denen Junioribus aus Landständen, welche zurZeit des französischen Krieges noch nicht Landtagsmitglieder gewesen,sondern in Studiis sich aufgehalten, vor Kurzem erst auf dem Landtagaufgeschworen worden, und noch erst aus den Studentenschuhen getreten,jetzund aber das allergrößte Maul und die Weisheitallein gefressen haben, die Seniores und prudentiores nichtanhören, sondern denenselben vielmehr insolenter und vermessenerWeise anfahren, und derer Seniores sensus nicht anhören wollen, dasie doch dabei nie herkommen und adhibirt, noch weniger gegenwärtiggewesen seynd, derentwegen dann daraus alle diese unnütze Händelvermuthlich entstanden — er es aber hinfüro durchaus nicht zuzulassen,sondern er es gegen sie der Gebühr nach zu ahnden gemeint sey,dieses aber der jungen Burß zur Warnung anführen wolle,das Versprochene solle und müsse gehalten werden.“ 2c.Die Stände beruhigten sich jedoch trotz dieser harten Vorwürfenoch nicht. Sie stellten vielmehr nähere Untersuchungen an, aus wel-chen sich endlich ergab, daß dem Schardinell allerdings eine Gratifica-tion in Aussicht gestellt worden sei, aber keineswegs von den Ständen,sondern von dem alten Banquier Heldewir, dessen Agent er gewesen,und daß diese 1000 Thlr. auch in Heldewir's Rechnung abgeführt,von diesem aber zur Deckung eines anderen Postens verwendet wordenwaren. — Auch Heldewir selbst hatte zu jener Zeit für seine finan-ziellen Bemühungen von den Ständen „ein Andenken“ zu erhaltengewünscht, jedoch bisher noch nichts erhalten. Man beschloß, ihm ein
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Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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108
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