106zugleich befohlen habe, die Stände nicht eher zu entlassen, bis sieden Betrag bewilligt hätten, „wenn sie, wider Zuversicht, sich separiren und re infacta davon zu gehen sich unterstehen sollten,“ werdeer die geforderte Summe selbst im Lande ausschreiben lassen. Unterdem 13. Februar 1687 — denn so lange hatte der Streit sich schonhingezogen — richteten die Stände nun an den Kurfürsten ein langesSchreiben, worin sie auf die Unmöglichkeit hinweisen, das verlangteGeld herbeizuschaffen. Philipp Wilhelm antwortet ihnen unter dem22. Februar, er erwarte zuversichtlich die Einwilligung, verlange jadie 50,000 Thlr. nicht sogleich, sondern in zwei Terminen jährlichumzulegen; da jedoch die Zeit dränge, und der König von Portugaleine schleunige Entscheidung haben wolle, so verlange er vorläufig nurdie Einwilligung der Stände, diese Summe auf Kammergüter auf-nehmen zu dürfen, unter Garantie und Zinszahlung der Stände.Auch diese Zumuthung erhielt nicht die Zustimmung des Landtages,und Johann Wilhelm glaubte nun durch eine Ermäßigung der For-derung ein besseres Resultat zu erzielen. Er erklärte, sein Vater wollesich mit 30,000 Thlrn. begnügen, „aber diese Summe müsse erhaben, sonst werde er die 50,000 Thlr. selbstständig ausschreiben undStände könnten dann gehn, wohin sie wollten“. — In Folge dessenbewilligten sie am 10. März nun diese 30,000 Thlr. — Jülich18,000 Thlr., Berg 12,000 Thlr. — „zu Sr. Kurfürstl. Dchl. gnä-digster freier Ahnschaffung, zu freiwilliger Verehrung, citra omneprajudicium et consequentiam, in der Erwartung, künftig von der-gleichen Zumuthungen gnädigst verschont zu werden;“ — auch geneh-migen sie, daß das Geld auf Credit aufgenommen werden könne.Schon in hohem Grade aufgeregt durch dieses geringe Entgegen-kommen seiner lieben getreuen Stände, sollte Johann Wilhelm bei dengleichzeitigen Verhandlungen über die eigentlichen Landesangelegenheitenbald neue Veranlassung finden zu noch größerer Verstimmung, welchein harten Worten gegen die Stände zum Ausdruck kam.Neben dieser „Portugalischen Hochzeitsteuer“ war den Ständennämlich die alljährlich wiederkehrende Forderung für die Militz, fürdie Festungen u. s. w. vorgelegt worden, welche, wie gewöhnlich, auflebhafte Opposition stieß. Durch neue Werbungen waren die vorhan-denen Regimenter completirt worden, unter dem Vorwande, daß diebedrohte Lage des Reiches eine größere Kriegsbereitschaft der einzelnenReichsstände nöthig mache. Nach vielen Debatten bewilligten dieJülich'schen Stände endlich, für die Militz die Summe von 88,000Thlrn. auszuschreiben, und zwar wiederum für ein Jahr in vier Ter-minen einzuziehen. Da die Bergischen sich abermals anheischig gemacht
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Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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106
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