97gewinnen. Durch ein Religions=Edikt im Sinne des Schwäbisch=HallerVertrages beruhigte er die Protestanten in der Pfalz über die Besorg-nisse, welche seinem Regierungsantritt vorausgegangen waren. Diebald nachher erfolgende Einführung der Jesuiten in Heidelberg unddie Errichtung von Kapuzinerklöstern daselbst, so wie in Frankenthal,Manheim, Neustadt a./d. Haardt, Alzei, Bacharach, Caub?) 2c. riefzwar wieder neue Befürchtungen hervor, doch fanden eigentliche Be-drückungen der Protestanten jetzt nur in den von den Franzosen nochbesetzten Orten Statt, wo sie allerdings eine große Zahl von Familienzur Auswanderung veranlaßten, welche sich andere Wohnstätten suchten.3)Johann Wilhelm war nun Kurprinz. Ihm war die Aussichteröffnet, bei dem vorgerückten Alter seines Vaters, auf der Stufenleiterdes deutschen Reichsfürstenthums voraussichtlich bald eine höhereStellung einzunehmen Seine persönliche Eitelkeit und sein Selbstgefühlerhielten dadurch noch einen starken Zuwachs. Aus den Unterschriftender von ihm zu dieser Zeit erlassenen Verfügungen läßt es sich deut-lich erkennen, mit welchem inneren Behagen er, der sonst nur einfachseinen Namen unterschrieb, jetzt niemals verfehlt, seine neue Würdeals „Chur=Printz“ hinzuzufügen und auf die Zierlichkeit und Deutlich-keit dieser Unterschrift ein ganz besonderes Gewicht zu legen.In den politischen Beziehungen der Herzogthümer Jülich undBerg war zwar durch diesen Anfall der Pfalz an die Neuburger keineVeränderung eingetreten, da sie ihre selbstständige Regierung wie bis-her behielten; aber nichts desto weniger griff dieses Ereigniß tief einin die Stellung Johann Wilhelms zu den Landständen. Zum 16.August 1685 hatte er einen neuen Landtag berufen und theilte in derProposition vom 18. August seinen „lieben getreuen Ständen“ dieErhebung seines Vaters zur Kurwürde officiell mit. Er erwartet,„Stände würden wegen sothaner Ihro Churfürstl. Durchlaucht zuDero gantzen Hauses mehrerer splendor und lustro angefallenenDignität und Succession sich sowohl von Hertzen freuen, als auch inBrosii, Annal. III. 204.Sie waren die Vorläufer derjenigen armen Pfälzer, welche später wegendes confessionellen Drucks ihre Heimath verließen und sich über alle Länder,selbst nach Amerika — verbreiteten. Mit offenen Armen wurden dieseFlüchtlinge, denen bald sich die durch Aufhebung des Edikt von Nantesaus Frankreich vertriebenen Reformirten anschlossen, überall aufgenommen.Namentlich war es der Kurfürst von Brandenburg, der ihnen bei ihrerAnsiedelung in seinen Ländern allen Vorschub leistete, aber auch in denHerzogthümern Jülich und Berg ließen sich viele derselben nieder, undbrachten durch ihren Gewerbfleiß eine rege Industrie ins Land.
Druckschrift
Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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97
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