94werden ihnen 7% Hebegeld zugesichert; sie sollen die ausgeschriebenenSteuern gebührlich repartiren auf die Steuerpflichtigen, und gegenSäumige nur Amts= und Gerichtsboten vorgehen.Die Zustände im Reich waren nach endlichem Abschlusse desRegensburger Waffenstillstandes ziemlich unverändert geblieben. DieRüstungen dauerten fort, da besonders auf Veranlassung des Papstes,der Krieg gegen die Türken kräftig fortgesetzt werden sollte. Unterdiesen Umständen fiel es Johann Wilhelm auch gar nicht ein, seineTruppen zu vermindern, er setzte vielmehr die Werbungen noch fort,um nöthigenfalls dem Kaiser auch mit Mannschaft aushelfen zukönnen, wenn er dazu aufgefordert werden würde. Vielleicht schon inder Voraussicht der nahe bevorstehenden Ereignisse, wollte er sich Ge-wißheit über die Wehrkraft des Landes verschaffen. Deshalb erließer unter dem 27. April 1685 ein Aufgebot an seine sämmtlichen Lehns-leute, sich zum 29. Mai zur Musterung bei Grimlinghausen zu stellen,„mit soviel Dienern, Pferd und Wapffen und anderen nothdürftigenRüstungen, alß bey dem von Uns habenden Lehn herbracht und bräuch-lich ist“. Im Falle sie aber „Leibsschwachheit und anderer Verhinde-rung halber“ nicht erscheinen und dienen können, oder andere wohl-armirte und berittene wehrhafte Personen als Stellvertreter schicken,können sie den Lehnsdienst mit 30 Thlr. pro Mann und Pferd er-setzen. 24) Da von der Aufbringung dieser Lehnsmannschaft sich nirgendeine Notiz vorfindet, so ist anzunehmen, daß die Herrn vorgezogen haben,zu zahlen, wodurch der Kriegskasse ein willkommener Zuwachs zufiel.Bald aber trat ein sehr wichtiges Ereigniß ein, welches auf dasLoos der Herzogthümer Jülich und Berg von nicht geringem Einflußwar, obgleich es sie direkt nicht berührte. Den 16. Mai 1685 starbnemlich in Heidelberg der Kurfürst Karl V. von der Pfalz ohne suc-cessionsfähige Nachkommenschaft zu hinterlassen. Er war der letzteEnkel des unglücklichen Böhmenkönigs Friedrich von der Pfalz, undmit ihm erlosch die ältere Simmern'sche Linie des PfalzgräflichenHauses, an welcher die Kurwürde haftete.25) Die zunächst folgendeLinie war die Pfalz=Neuburgische, und schon seit mehreren Jahren warder Fall vorgesehen, wo die Succession in der Pfalz und in der Kur-23) Scotti, Sammlung 721, 722.24) Scotti, Sammlung Nr. 724, im Auszuge.25) Karl Ludwig, der Vater des Verstorbenen, hatte sich von seiner GemalinCharlotte von Hessen=Cassel getrennt, und 1658 eine Hofdame derselben,Louise von Degenfeld geheirathet. Sie erhielt den Titel Raugräfin, undschenkte ihrem Gemal 14 Kinder, welche ebenfalls den Titel Raugrafenund Raugräfinnen führen, aber nicht successionsfähig waren.
Druckschrift
Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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94
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