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Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
Entstehung
Seite
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45burg gegeben. Aus den mit dem Kammermeister von Giese gepflo-genen Verhandlungen wird auch ein Befehl Johann Wilhelms vomSeptember 1679 zu bemerken sein,daß Niemanden etwas gezahltwerden solle, bevor nicht die Fürstin und der Graf von Oettingenihre rückständigen drei Quartale erhalten hätten; also wiederum stehtdas Interesse des Hofes in erster Linie! Mit der Verpflegung derJülich'schen Garnison sah es nicht besser aus, denn im December 1679klagen die dortigen Garnisonbäcker,daß sie seit 14 Monaten keinenLohn bekommen hätten, es sei ihnen unmöglich sich länger zu unter-halten, sie müßten aus Noth crepiren 2c. Auch fehlten an den vonden Ständen ausgeschriebenen 1000 Malter Brodkorn im Decembernoch 725 Malter, und erst dadurch, daß man den zum Abzuge sichrüstenden Franzosen die aus dem Lande gefüllten Magazine für 4293Thlr. wieder abkaufte, wobei noch große Unterschleife zur Sprachekamen, wurde der Kornbedarf gedeckt.Daß unter solchen Umständen die Disciplin der Truppen sehrgelockert war, geht schon aus den oben erwähnten Befürchtungen vonGiese's hervor. Es liefen auch Klagen ein, daß die Soldaten von derWache in der Citadelle und an den Thoren Holztransporte für denHof angehalten, und zu ihrem Nutzen verkauft hätten, was sich jedochin der Untersuchung als übertrieben herausstellte. Die Noth der ausaller Herrn Länder geworbenen Söldner fällt aber um so mehr insGewicht, als dieselben, nach Ausweis der Standeslisten, meist in rei-ferem Alter und verheirathet waren; sie hatten eine Dienstzeit von 8,15 und 20 Jahren, theils im spanischen, französischen, niederländischenund am zahlreichsten im bischöflich=münsterischen, theils im einheimischenDienst. Der Fürst kam zur Einsicht, daß ein so großer Etat sich mitden Einnahmen nicht aufrecht erhalten lasse, und gieng auf die Vor-schläge des Feldmarschalls Grafen Schellaert zur Reduction der Truppenbereitwillig ein. Zuerst wurden die ins Land vertheilten Leibgarde=Reuterauf 60 Mann reducirt und dadurch den Aemtern und Städten einebedeutende Last abgenommen. Vom Leibregimente sollten 600 Mann ent-lassen werden; da die Leute jedoch noch längere Capitulationen hatten,konnte man sie nicht ohne weiteres verabschieden, wenn man sie nichtmit ihren Familien ins Elend stürzen wollte. Es wurden deshalbmit dem Herzog von Villa=Hermosa, Vice=Statthalter der spanischenNiederlande, Unterhandlungen angeknüpft zur Uebernahme von 600Mann. Herr von Giese äußert sich in einem darüber abgegebenenBericht:und werden Ew Fürstl. Dchl. meines Ermessens genug vordiese Soldaten bekommen, wenn Sie dieselben dergestalt ohne Klagenund fernere satisfaction aus dem Dienst quitt werden. Der Herzog