44„die Söldner seien wegen Nichtbezahlung in solche Armuth und Nothgerathen, daß nicht allein zu befahren, daß dieselben vor Hunger undKummer häufig daher sterben, sondern sich endlich rottiren und höchstgefährliche sedition anfangen, mithin diese Stadt, welches dero Com-mandant Oberstlieutenant von Burgsdorff auch nicht wenig befürchtenthut, ausplündern werde 2c.“ Schon früher hatte Johann Wilhelman den Pfennigmeister Esken den Befehl erlassen, dem Regimenteeinen halben Monatssold auszuzahlen, um der dringenden Noth ab-zuhelfen. Esken aber hatte, nach Angabe des Herrn von Giese, keinGeld in der Kasse, und hatte erwiedert, er könne den Sold nicht zahlen,da auch der Kaufmann vom Hövel in Cöln, an den er sich persönlichgewendet, Schwierigkeiten mache, noch fernere Vorschüsse zu leisten, „in-dem er für Rimessen nach Neuburg schon mit über 4000 Thlrn.im Vorschuß stehe“. Doch muß Esken jetzt die nothwendigsten Mittelaufgebracht haben, denn unter dem 10. November führt er, nach seinenRechnungsbüchern, 4415 Thlr. 52 Alb. an den Kammermeister vonGiese ab. Entweder hat diese Summe nicht ausgereicht oder die Zah-lung hat sich verzögert, denn unter dem 17. November berichtet derCommandeur, Oberstl. von Burgsdorf, weiter: „250 Gemeine liegenkrank, unter den Dächern auf Stroh ohne Feuer gleich wie Statuen,haben nur Wasser und Brod; die Offiziere haben keine Mittel mehrden verstorbenen Soldaten einen Sarg machen zu lassen, er bitte umAbhülfe, vor Allem, daß den Kranken assistirt und einige Bretter undNägel zu Todtenkisten angewiesen werden.“ Drei Tage später, den20. November, legt Burgsdorff dem Fürsten eine Supplik sämmtlicherLieutenants und Fähnriche vor, worin diese dringend um Abhülfe ihrerNoth bitten; „sie dörfften sich nicht mehr auf der Straße sehen lassen,ohne von Schuldleuten angehalten und beschimpft zu werden, alle ihrebewegliche Habe hätten sie versetzen müssen, um nur ihr Leben zu fristenund wären jetzt nicht im Stande sich ein Brod anzuschaffen.“ Gene-ral Feldmarschall Graf von Schellaert unterstützte diese Gesuche an-gelegentlichst.Wie verträgt sich mit dieser Geldnoth die Angabe, daß zu glei-cher Zeit auf des Fürsten Befehl dem Kammermusikus Battagliadie Summe von 1000 Thlrn. durch denselben Pfennigsmeister Eskengezahlt sein solle? welche sich jedoch in dessen Rechnung nicht aufge-führt findet. Dagegen stehen im Oktober, November und December1679 in Summa 21,100 Thlr notirt, welche Esken an den Kauf-mann vom Hövel abgeführt hat, wofür dieser Anweisungen auf Augs-) Akten, den Militär=Status betreffend. Im Staatsarchiv.
Druckschrift
Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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Seite
44
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