jedoch sehr weitschweifigen Formen, indem sie sich gegenseitig durchDeputationen beschickten, um eine Verständigung herbeizuführen.Durch die schwache Regierung der letzten Herzoge und Landes-herrn aus dem Clevischen Stamme, und durch das nicht immer fried-liche Condominat zwischen Brandenburg und Neuburg während desErbfolgestreites, hatten die Stände manche Rechte theils verliehen er-halten, theils aber auch sich angemaßt, welche in direktem Wi-derspruche standen mit dem Streben nach autokratischem Regiment,das bereits während der Regierung des ersten Neuburgers, WolfgangWilhelm, sich geltend machte. Es kam häufig vor, daß die Stände,ohne vom Landesherrn berufen zu sein, sich in irgend einer andernStadt, selbst außerhalb der Herzogthümer, aus eigenem Antriebe ver-sammelten und selbstständige Beschlüsse faßten. Die Verbote solcherPrivatzusammenkünfte (conventicula) wiederholen sich fast von Jahrzu Jahr. Die daraus entspringenden Conflikte gaben zu häufigenBeschwerden und Klagen Veranlassung. Nicht minder war dies derFall während der Regierung des zweiten Neuburgers, Philipp Wil-helm. Auch dieser Fürst, obgleich er durch musterhafte Ordnung inder Verwaltung und durch strenge Beobachtung des Landeswohls nachseiner Meinung, die Opposition der Stände zu neutralisiren gehoffthalte, war fast fortwährend mit ihnen im Streit, und die gegenseiti-gen Klagen über vermeintliche Rechtsverletzungen standen unausgesetztauf der Tagesordnung der Kaiserlichen Hofkammer. Manchen Kummerhatte er, der sorgsame Familienvater, dadurch gehabt, wenn er inFolge der Zähigkeit der Stände in die Nothwendigkeit versetzt wordenwar, zu lange bei den Landtagen verweilen zu müssen, und somit dar-an verhindert wurde, so schnell als möglich zu seiner über Alles ge-liebten Gattin und zu dem sich eines stets wachsenden Kindersegenserfreuenden Familienkreise zurückkehren zu können.Die Briefe, welche Philipp Wilhelm fast täglich an seine Gemalin schrieb,und worin er sie mit den zärtlichsten Namen bedachte, geben davon dasbeste Zeugniß. Einen charakteristischen Beitrag zur Erkenntniß der dama-ligen Zustände finden wir in einem Briefe von 1662, wo er sich aber-mals tüchtig mit den Landständen in den Haaren gelegen hatte, inwelchem er schreibt: „Mich freut es aus meines Innerwähltes LiebesSchreiben zu vernehmen, daß nit allein Engelchen und dw Kinder gesundseyn, sondern auch, daß mein Herz aus der Sorg meinetwegen durch Em-pfangung meiner Schreiben kommen. Den Abend, nachdem ich mein vori-ges geschrieben, haben Stände zum letztenmal referiren wollen; weil esaber nachmittags gewesen, sind die Meiste foll gewesen, also daß es denAbend hinterblieben. Gestern gottlob ist der endliche und gottlob günstige
Druckschrift
Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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Seite
7
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