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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
Entstehung
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geeignet" 302 ). Aber was Schlegel diese Lösung, je mehr erzu sich selbst kam, verbot, war, daß sie zu einer höchstbedingten Einschätzung des einzelnen Werkes führt. In dergleichen, Abhandlung, in der sein werdender Standpunkt sichzu bestimmen strebt,. stellt er Notwendigkeit, Unendlichkeit,Idee, im Grunde schon der Nachbildung, der Vollkommenheit,dem Ideal gegenüber, wenn er sagt: „Die Zwecke des Men-schen sind teils unendlich und notwendig, teils beschränktund zufällig. Die Kunst ist daher . . . eine freie Ideen-kunst" 303 ). Viel entschiedener heißt es dann von der Kunstum die Jahrhundertwende: .Es „will . . . jedes Glied in diesemGebiete des menschüchen Geistes zugleich das Ganze seinund wäre dieser Wunsch wirklich unerreichbar, wie uns . . .Sophisten glauben machen wollen, so möchten wir nur liebergleich das nichtige und verkehrte Beginnen 304 ) ganz auf-geben" 305 ). „Jedes Gedicht, jedes Werk soll das Ganze be-deuten, wirklich und in der Tat bedeuten und durch die Be-deutung . . . auch wirklich und in der Tat sein" 306 ). DieAufhebung der Zufälligkeit, des Torsohaften der Werke istdie Intention in dem Formbegriff Friedrich Schlegels. DemIdeal gegenüber ist der Torso eine legitime Gestalt, im Mediumder Formen hat er keine Stelle. Das Kunstwerk darf nichtTorso, es muß bewegtes vergängliches Moment in der leben-digen transzendentalen Form sein. Indem es sich in seinerForm beschränkt, macht es sich in zufälliger Gestalt ver-gänglich, in vergehender Gestalt aber ewig durch Kritik 307 ).

302 ) Jugendschriften I, 123 ff. S. a. Briefwechsel 83. — A uch hierüberspannt Schlegel mit dem Begriff der Nachahmung den ur-sprünglichen Gedanken.

303 ) Jugendschriften I, 104, „freie Ideenkunst", auch Jugend-schriften II, 361.

304 ) sc. der Poesie. !i05 ) Jugendschriften II, 427.

306 ) Jugendschriften IE, 428.

307 ) Mit Beziehung auf das Zufällige, Torsohafte der Einzelwerkewaren die Vorschriften, Techniken der Poetik gegeben. Goethehatte z. T. nicht ohne Rücksicht auf sie die Gesetze der Kunst-gattungen studiert. Auch die Romantiker erforschten diese, jedochnicht um solche Kunstgattungen zu fixieren, sondern in der Ab-sicht, das Medium, das Absolute, in welches die Werke kritischaufzulösen seien, zu finden. ' Sie stellten diese Untersuchungenanalog morphologischen Studien an, welche geeignet sind, dieBeziehungen der Wesen auf das Leben zu erforschen, während sichdie Erkenntnisse der normativen Poetik mit,. anatomischen ver-