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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
Entstehung
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Erster Teil: Die Reflexion.

I. Reflexion und Setzung bei Fichte.

Das im Selbstbewußtsein über sich selbst, reflektierendeDenken ist die Grundtatsache, von der Friedrich Schlegelsund größtenteils auch Novalis!' erkenntnistheoretische Ueber-legungen ausgehen. Die in der Reflexion vorliegende Be-ziehung des Denkens auf sich selbst wird als die dem Denkenüberhaupt nächstliegende angesehen, aus ihr werden alle andernentwickelt. Schlegel sagt einmal in der „Lucinde": „DasDenken hat die Eigenheit, daß es nächst sich selbst am liebslenüber das denkt, worüber es ohne Ende denken kann" 8 ). Dabeiist zugleich verstanden, daß das Denken am allerwenigstenim Nachdenken über sich selbst ein Ende finden könne. DieReflexion ist der häufigste Typus im Denken der Frühroman-tiker; auf Belegstellen für diesen Satz heißt auf ihre Frag-mente verweisen. Nachahmung, Manier und Stil, drei Formen,die sich sehr wohl auf das romantische Denken anwendenlassen, finden sich im Reflexionsbegriff ausgeprägt. Bald ister Nachahmung SFichtes (wie vor allem beim frühen Novalis),bald Manier (z. B. wenn Schlegel an sein Publikum die Zu-mutungrichtet „das Verstehen zu verstehen" 9 ), vor allem aber istReflexion der Stil des Denkens 10 ), in dem die Frühromantikerihre tiefsten Einsichten nicht willkürlich, sondern mit Not-wendigkeit aussprechen. „Der romantische Geist scheint an-genehm über sich selbst zu phantasieren" 11 ), sagt Schlegelvon Tiecks „Sternbald" und er tut es nicht nur in den früh-romantischen Kunstwerken, sondern, wenngleich strenger undabstrakter, auch, und vor allem, im frühromantischen Denken.In einem in der Tat phantastischen Fragment sucht Novalisdas gesamte Erdendasein als Reflexion von Geistern in sichselbst, und den Menschen in diesem Erdenleben als teilweise

8 ) Lucinde 92. H i Jugendschriften II, 42(3.

lü ) Vgl. für diesen Gebraucli des Terminus Stil mit Beziehungauf diu Bomantiker Elkuß 45.") A 418.