Die frühromantische Kunsttheorie und Goethe.
Die Kunsttheorie der Frühromantiker und die Goethes sindin den Prinzipien einander entgegengesetzt 300 ). Und zwar er-weitert das Studium dieses Gegensatzes ungemein die Kenntnisder Geschichte des Begriffs der Kunstkritik. Denn dieser Gegen-satz bedeutet zugleich das kritische Stadium dieser Geschichte:in der problemgeschichtlichen Beziehung, in welcher der Kritik-begriff der Bomantiker zu demjenigen Goethes steht, tritt un-mittelbar das reine Problem der Kunstkritik an den Tag. DerBegriff der Kunstkritik selbst aber steht in einer eindeutigenAbhängigkeit vom Zentrum der Kunstphilosophie. Diese Ab-hängigkeit formuliert sich am schärfsten im Problem derKriti-sierbarkeit des Kunstwerks. Ob diese geleugnet, ob sie behauptetwird, ist durchaus von den philosophischen Grundbegriffenabhängig, welche die Kunsttheorie fundieren. Die ganze kunst-philosophische Arbeit der Frühromantiker kann also dahin zu-sammengefaßt werden, daß sie die Kritisierbarkeit des Kunst-werks prinzipiell nachzuweisen gesucht haben. Die ganze Kunst-theorie Goethes steht hinter seiner Anschauung von der Un-kritisierbarkeit der Werke. Nicht als ob er diese Ansicht andersals gelegentlich betont, nicht als ob er keine Kritiken geschriebenhätte. Er war an der begrifflichen Ausführung dieser An-schauung nicht interessiert, und noch in seiner spätem Zeit,die hier vor allem in Beträcht kommt, hat er nicht wenige
300) ]?ü r die j m folgenden dargelegte Auffassung der GoethescheiiKunsttheorie können in diesem engen Rahmen keine Belege ge-geben werden, weil die betreffenden Stellen ebenso wie die Sätzeder Frühromantiker einer eingehenden Interpretation bedürfen. Diesesoll in dem breiten Zusammenhang, welchen sie fordert, an andererStelle gegeben werden. Für die allgemeine Fragestellung derfolgenden Ausführung ist besonders auf die ganz entsprechende,wenn auch abweichend beantwortete' in E. Rotten: Goethes Ur-phänomen und die platonische Idee (Gießen 1913), Kap. VHI, zuverweisen.
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