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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
Entstehung
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Es erübrigt, die Erklärung des romantischen Begriffs derKunstkritik auf Grund der obigen Ausführungen abzuschließen.Nicht mehr um seine methodische Struktur handelt es sich,welche dargestellt ist, sondern lediglich um seine letzte inhalt-liche Bestimmung. Von ihr ist schon gesagt worden, daß dieAufgabe der Kritik die Vollendung des "Werkes ist. Eineninformatorischen oder pädagogischen Zweck weist Schlegel weitzurück: „Der Zweck der Kritik, isag't man, sei Leser zu bilden!— Wer gebildet sein will, >mag sich doch selbst bilden. Diesist unhöflich: es steht aber nicht zu ändern" 29 ^). Ebensowenigist die Kritik, wie erwiesen ,wurde, essentiell eine Beurteilung,eine Meinungsäußerung über ein Werk. Sie ist vielmehr einGebilde, das zwar in seinem Entstehen vom Werk vor-anlaßt,, in seinem Bestehen jedoch unabhängig von ihm ist.Als ein solches kann sie vom Kunstwerk nicht prinzipiellunterschieden werden. Das 116. Athenäumsfragment, das dieSynthese an allen Begriffen vornimmt, sagt: „Die romantischePoesie . . . will und soll auch . . . Genialität und Kritik . , .verschmelzen". Auf dasselbe Prinzip führt auch eine andereAeußerung im Athenäum: „Eine sogenannte Recherche ist.ein historisches Experiment. Der Gegenstand und das Resultat

dieser Gattung (der esoterischen Poesie) würden wir nicht nur . . .didaktische Gedichte rechnen, deren Zweck doch kein anderer seinkann, als die eigentlich unnatürliche Trennung der Poesie und"Wissenschaft wieder aufzuheben und zu vermitteln . . ., sondernauch . . . den Roman" (Kürschner 308). „Jedes Gedicht soll eigent-lich . . . didaktisch sein in jenem weiten Sinn des Wortes, wo esdie Tendenz nach einem tiefen, unendlichen Sinn bezeichnet" (Ju-gendschriften' M, 364). Acht Jahre später dagegen heißt es:„Und eben weil beide, der Roman und das Lehrgedicht, eigentlichaußerhalb der natürlichen Grenzen der Poesie liegen, so sind eskeine Gattungen, .Bondern so wie jeder Roman, jedes Lehrgedicht,das wahrhaft poetisch ist, bildet ein eigenes Individuum für sich"(Kürschner 402). Hier liegt das letzte Stadium (vom Jahre 1808)der Schlegelschen Gedankenbildung über -das Didaktische vor: Hatteer zuerst bemerkt, daß es eine besonders ausgezeichnete Gattungder modernen Poesie sei, so hatte er sie in der Athenäumszeit alsGattung ebenso wie den Roman mehr und mehr aufgelöst, um dieganze Poesie damit zu tingieren, während er zuletzt beide ganz imGegenteil so sehr wie möglich isolieren muß (sie unter die Gattungdrückt, nicht über sie erhebt), um einen konventionellen Begriff derPoesie wieder herzustellen. Die höhere Bedeutung der prosaischenDichtungsarten ist ihm nicht klar geblieben.2 95) L 86.