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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
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derselben ist ein Faktum. Was ein Faktum sein soll, muß strengeIndividualität haben, zugleich ein Geheimnis und ein Experimentsein, nämlich ein Experiment der bildenden Natur" 286 ). Neuist i in diesem Zusammenhange allein der Begriff des Faktums.Dieser findet sich im „Gespräch über die Poesie" wieder.„Ein wahres Kunsturteil . . ., eine ausgebildete, durchaus fertigeAnsicht eines Werks ist immer ein kritisches Faktum, wennich so sagen darf. Aber auch nur ein Faktum, und eben darumist's leere Arbeit, es motivieren zu wollen, es müßte denn dasMotiv selbst ein neues Faktum oder eine nähere Bestimmungdes ersten enthalten" 297 ). Durch den Begriff des Faktums solldie Kritik aufs schärfste von der Beurteilung — als bloßerMeinung — unterschieden werden. Jene bedarf keiner Motivie-rung, so wenig wie ein Experiment, welches sie ja auch in derTat am Kunstwerk vornimmt, indem sie seine Beflexion ent-faltet. Eine unmotivierte Beurteilung freilich wäre eine Un-gereimtheit. — Die theoretische Ueberzeugung von der höchstenPositivität aller Kritik hat die positiven Leistungen der ro-mantischen Kritiker getragen. Sie haben nicht sowohl einenKleinkrieg gegen das Schlechte 298 ), als die Vollendung desGuten und durch sie die Annihilierung des Nichtigen herauf-führen wollen. Zuletzt beruht diese Einschätzung der Kritikauf der völlig positiven Bewertung ihres Mediums, der Prosa.Die Legitimation der Kritik, welche diese als objektive In-stanz aller poetischen Produktion gegenüberstellt, besteht inihrer prosaischen Natur. Kritik ist die Darstellung des pro-saischen Kerns in jedem Werk. Dabei ist der Begriff„Darstellung" im Sinne der Chemie verstanden, als dieErzeugung eines Stoffes durch einen bestimmten Pro-zeß, welchem andere unterworfen werden. So hat esSchlegel gemeint, wenn er vom Wilhelm Meister sagt,das Werk „beurteilt sich nicht nur selbst, es stellt sichauch selbst dar" 299 ). In seinen beiden Bedeutungen wird dasProsaische durch die Kritik erfaßt: durch ihre Ausdrucks-

206 ) A 427. Für den Ausdruck „Recherche" im Sinn von Kritik— vielleicht hat er an dieser Stelle noch einen weiteren — vgl.das oben (S. 56) zitierte Athenäumsfragment 403.

29 ') Jugendschriften H, 383.

29 8) Zu welchem freilich A. "W. Schlegel unter äußerem Zwangsich herabgelassen hat.

299 ) Jugendschriften II, 172.