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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
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mühen um Reinheit und Universalität im Gebrauch derFormen beruht auf der Ueberzeugung, in der kritischen Auf-lösung ihrer Prägnanz und Vielfältigkeit (in der Absolutierungder in ihnen gebundenen Reflexion) auf ihren Zusammen-hang als Momente im Medium zu stoßen. Die Idee der Kunstals eines Mediums schafft also zum ersten Male die Mög-lichkeit eines undogmatischen oder freien Formalismus, einesliberalen Formalismus, wie die Romantiker sagen würden. Diefrühromantische Theorie begründet die Geltung der Formenunabhängig vom Ideal der Gebilde. Die ganze philosophischeTragweite dieser Einstellung nach ihrer positiven und negativenSeite zu bestimmen, ist eine Hauptaufgabe der vorliegendenAbhandlung. — Wenn also Friedrich Schlegel von der Denk-weise über die Gegenstände der Kunst verlangt, daß sie „abso-lute Liberalität mit absolutem Rigorismus vereinigt" 1 " 7 ) ent-halte, so darf man diese Forderung auch auf das Kunstwerkselbst, hinsichtlich seiner Form, beziehen. Eine solche Ver-einigung hieße ihm „in dem edleren und ursprünglicheren Sinnedes "Wortes korrekt, da es absichtliche Durchbildung . . . desInnersten ... im Werke nach dem Geist des Ganzen, prak-tische 198 ) Reflexion des Künstlers bedeutet" 1 "),

Dies ist die Struktur des Werkes, für das die Romantikereine immanente Kritik verlangen. Dieses Postulat birgt eineeigentümliche Paradoxie in sich. Denn es ist nicht abzusehen,wie ein Werk an seinen eigenen Tendenzen kritisiert werdenkönnte, weil diese Tendenzen, soweit sie einwandfrei feststell-bar, erfüllt, und soweit sie unerfüllt, nicht einwandfrei fest-stellbar sind. Diese letzte Möglichkeit muß.im extremen Falledie Gestalt annehmen, daß innere Tendenzen überhaupt fehlenund sonach die .immanente Kritik unmöglich werden würde.Der romantische" Begriff der Kunstkritik ermöglicht die Auf-lösung dieser beiden Paradoxien. Die immanente Tendenz desWerkes und demgemäß der Maßstab seiner immanenten Kritikist die ihm zugrunde liegende und in seiner Form ausgeprägteReflexion. Diese ist jedoch in Wahrheit nicht sowohl derMaßstab der Beurteilung, als zuvörderst und in erster Liniedie Grundlage einer völlig anderen, nicht beurteilend einge-stellten Art von Kritik, deren Schwergewicht nicht in derEinschätzung des einzelnen Werkes, sondern in der Darstellungseiner Relationen zu allen übrigen Werken und endlich zuder Idee der Kunst liegt. Friedrich Schlegel bezeichnet es

i") L 123. 19S ) d. i. bestimmte (s. o. p. 63). i") A 253.

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