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als die : Tendenz seines kritischen Werkes „trotz eines oftpeinlichen Fleißes im einzelnen . . .'■ dennoch im ganzennicht sowohl beurteilend zu würdigen, als zu verstehenund zu erklären" 200 ).' Kritik ist also, ganz im Gegensatz zurheutigen Auffassung ihres Wesens, in ihrer zentralen Absichtnicht Beurteilung, sondern einerseits Vollendung, Ergänzung,Systematisierung des Werkes,' andrerseits seine Auflösung imAbsoluten. Beide Prozesse fallen letzten Endes, wie sich noch• zeigen wird, zusammen. Das Problem der immanenten Kritikverliert seine Paradoxie 201 ) in der romantischen Definition diesesBegriffs, nach welchem er nicht eine Beurteilung des Werkesmeint, für die einen ihm immanenten Maßstab anzugeben wider-sinnig wäre. Kritik des Werkes ist vielmehr seine Reflexion,welche selbstverständlich nur den ihm immanenten Keimderselben zur Entfaltung bringen kann.
Diese Theorie der Kritik erstreckt ihre Folgerungen aller-dings auch auf die Theorie der Beurteilung der Werke. Lidrei Grundsätzen lassen diese Folgerungen sich aussprechen,welche ihrerseits die unmittelbare Entgegnung auf die obenaufgeworfene Paradoxie des Gedankens der immanenten Be-urteilung geben. Diese drei Grundsätze der romantischenTheorie der Beurteilung von Kunstwerken lassen sich formu-lieren als das Prinzip von der Mittelbaikeit der Beurteilung,von der Unmöglichkeit einer positiven Wertskala und von derUhk'ritisierbarkeit des Schlechten.
Das erste Prinzip, eine klare Folgerung aus dem Dar-gelegten, besagt, daß die Beurteilung eines Werkes niemalseine explizite, sondern stets eine im Faktum seiner roman-tischen Kritik (d. h. seiner Reflexion) implizierte sein muß.Denn der Wert des Werkes hängt einzig und allein davon ab,ob es seine immanente Kritik überhaupt möglich macht odernicht. Ist diese möglich, liegt also-im Werke eine Reflexionvor/welche sich entfalten, absolutieren und im Medium derKunst auflösen" läßt, so ist es ein Kunstwerk. Die bloße Kriti-sierbarkeit eines Werkes stellt das positive Werturteil überdasselbe dar; und dieses Urteil kann nicht durch eine ge-sonderte Untersuchung, vielmehr allein durch das Faktum derKritik selbst gefällt werden, weil es gar keinen andern Maß-stab, kein Kriterium für das Vorhandensein einer Reflexion
' 200 ) Jugendschriften II, 423.201 ) Eine solche besteht selbstverständlich nicht im Gebietder "Wissenschaft, wohl aber in dem der Kunst.