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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
Entstehung
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andern Werke unseres Dichters vor, keines ist in dem Gradeein Werk" 193 ). Zusammenfassend bezeichnet Schlegel die Be-deutung der Keflexion für Werk und Form mit folgendenWorten: „Gebildet ist ein Werk, wenn es überall scharf be-grenzt, innerhalb der Grenzen aber grenzenlos . . . ist, wennes sich selbst ganz treu, überall gleich und doch über sichselbst erhaben ist" 134 ). Wenn kraft seiner Form das Kunst-werk ein Moment des absoluten Mediums der Reflexion ist,so hat Novalis' Satz: „Jedes Kunstwerk hat ein Ideala priori, eine Notwendigkeit bei sich, da zu sein" 195 ) nichtsUnklares an sich; eine Formulierung, in der die prinzipielleUeberwindung des dogmatischen Rationalismus in der Aesthetikvielleicht am deutlichsten ist. Denn dies ist ein Standpunkt,zu dem eine Einschätzung des Werkes nach Regeln niemalsführen konnte, ebensowenig wie eine Theorie, welche das Werknur als Produkt eines genialischen Kopfes verstand. „HaltenSie es etwa für unmöglich, zukünftige Gedichte a priori zukonstruieren?" 196 ) fragt ganz übereinstimmend der Ludovicobei Schlegel.

Neben der Shakespeareübersetzung ist die bleibende dichte-rische Leistung der Romantik die Eroberung der romanischenKunstformen für die deutsche Literatur gewesen. Ihr Strebenwar mit vollem Bewußtsein auf die Eroberung, Ausbildungund Reinigung der Formen gerichtet. Doch war ihr Ver-hältnis zu ihnen ein ganz anderes als das der vorhergehendenGenerationen. Die Romantiker faßten nicht, wie die Aufklä-rung, die Form als eine Schönheitsregel der Kunst, ihre Be-folgung als eine notwendige Vorbedingung für die erfreulicheoder erhebende Wirkung des Werkes auf. Die Form galtihnen weder selbst als Regel noch auch als abhängig vonRegeln. Diese Auffassung, ohtfe welche das wahrhaft bedeu-tende italienische, spanische und portugiesische Uebersetzungs-werk A. G. Schlegels undenkbar ist, hat sein Bruder philo-sophisch intentioniert. Jede Form als solche gilt als eineeigentümliche Modifikation der Selbstbegrenzung der Reflexion,einer andern Rechtfertigung bedarf sie nicht, weil sie nichtMittel zur Darstellung eines Inhalts ist. Das romantische Be-

193 ) Kürschner 389. 194 ) Ä 297.

195 ) In diesem Ausspruch deckt sich der termiaus „Ideal" durch-aus mit dem im folgenden (s. u. p. 100) als „Idee" eingeführtenBegriff.

"«) Jugendschriften II, 384.