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die kränkliche Anläge zu verbessern" 178 ). Beispiele solcher voll-endenden, positiven Kritik schweben Novalis vor, wenn er voneiner gewissen Art von Uebersetzungen. welche er mythischenennt, sagt: „Sie stellen den reinen, vollendeten Charakterdes individuellen Kunstwerks dar. Sie geben uns nicht daswirkliche Kunstwerk, sondern das Ideal desselben. Nochexistiert, wie ich glaube, kein ganzes Muster derselben. Im(Seist mancher Kritiken und Beschreibungen von Kunstwerkentrifft man aber helle Spuren, fe gehört ein Kopf dazu, indem sich poetischer Geist und philosophischer Geist in ihrerganzen Fülle durchdrungen haben" 180 ). Vielleicht, denkt Novalis.indem er Kritik und Uebersetzung einander nahe rückt, aneine mediale stetige Ueberführung des Werkes aus einer Sprachein die andere, eine Auffassung, die bei der unendlich rätsel-haften Natur der Uebersetzung von vornherein ebenso statt-hall ist, wie eine andere.
„Wenn man das Charakteristikum des modernen kritischenGeistes in der Verleugnung alles Dogmatismus, in der Achtungvor der alleinigen Souveränität der produktiven Schöpferkraftdes Künstlers und Denkers sehen will und muß, so habendie Schlegel diesen modernen kritischen Geist geweckt undum auch zur prinzipiell höchsten Offenbarung gebracht" 181 ).Bei diesen Worten hat Enders die ganze literarische Familieder Schlegel im Sinn. Friedrich Schlegel ist vor allen anderenMitgliedern seiner Familie die prinzipielle Ueberwindung desästhetischen Dogmatismus zu verdanken und dazu — wasEnders hier nicht erwähnt — die ebenso wichtige Sicherungder Kunstkritik gegen die skeptische. Toleranz, die aus demschrankenlosen Kultus der schaffenden Kraft als bloßer Aus-druckskraft des Schöpfers zuletzt hervorgeht. In jener Hin-sicht hat er die Tendenzen des Rationalismus, in dieser diezersetzenden Momente, welche in der Theorie der Stürmerund Dränger angelegt waren, überwunden, und in dieser letztenRücksicht ist die Kritik des 19. und 20. Jahrhundorts durch-aus wieder von seinem Standpunkt herabgesunken. Er hat dieGesetze des Geistes in das Kunstwerk selbst gebannt, anstattdieses zum bloßen Nebenprodukt der Subjektivität zu machen,wie ihn die modernen Autoren dennoch, dem Zuge ihres eigenenDenkens folgend, so überaus oft mißverstanden haben. Es istnach dem oben Ausgeführten abzuschätzen, welcher geistigenLebendigkeit und doch auch welcher Zähigkeit es bedurfte.
179 ) Schriften 30. l8 °) Schriften 16 f. 181 ) Enders 1.