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diesen Standpunkt zu sichern, der teilweise, als Ueberwindungdes Dogmatismus, das mühelose Erbe der modernen Kritikgeworden ist. Von deren Gesichtskreis aus, den keine Theorie,sondern allein eine deteriorierte Praxis noch bestimmt, istfreilich nicht zu ermessen, welche Fülle positiver Voraus-setzungen in die Negierung der rationalistischen Dogmen ein-gearbeitet ist. Sie übersieht, daß diese Voraussetzungen nebenihrer befreienden Leistung einen Grundbegriff sicherten, dertheoretisch vordem mit Bestimmtheit nicht eingeführt werdenkonnte: den des Werkes. Denn nicht nur die Freiheit vonheteronomen ästhetischen Doktrinen errang Schlegels Kritik-begriff — vielmehr ermöglichte er diese erst dadurch, daßer ein anderes Kriterium des Kunstwerkes aufstellte, als dieKegel, das Kriterium eines bestimmten immanenten Aufbaueslies Werkes selbst. Er tat das nicht mit den Allgemeinbegriffender Harmonie und Organisation, die bei Herder oder Moritznicht zur Stiftung einer Kunstkritik hatten führen können,sondern mit einer, wenn auch in Begriffen absorbierten, eigent-lichen Theorie der Kunst: als eines Reflexionsmediunis, unddes Werkes: als eines Zentrums.der Reflexion. Damit sicherteer von der Objekt- oder Gebilde-Seite her diejenige Autonomieim Gebiete der Kunst, welche Kant der Urteilskraft in ihrerKritik verliehen hatte. Der Kardinalgrundsatz der kritischenBetätigung seit der Romantik, die Beurteilung der Werke anihren immanenten Kriterien, ist auf Grund romantischerTheorien gewonnen, welche gewiß in ihrer reinen Gestaltkeinen heutigen Denker völlig befriedigen. Schlegel überträgtdie Betonung seines schlechthin neuen Grundsatzes der Kritikauf den „Wilhelm Meister"-, indem er ihn das „schlechthinneue und einzige Buch, welches man nur aus sich selbstverstehen lernen kann" 182 ), nennt. Novalis ist auch in diesemGrundsatz mit Schlegel einig: „Formeln für Kunstindividuenfinden, durch die sie im eigentlichen Sinn erst verstandenwerden, macht das Geschäft eines artistischen Kritikers aus,dessen Arbeiten die Geschichte der Kunst: vorbereiten" 183 ).Vom Geschmack, auf den sich der Rationalismus für seineRegeln berief, soweit sie nicht rein historisch begründet werden,sagt er: „Der Geschmack allein beurteilt nur negativ" 181 ).
Ein genau bestimmter Begriff des Werkes wurde also durchdiese romantische Theorie zu einem Korrelatbegriff des Begriffsder Kritik.
is'J) Jugendschriften II, 171. i»3) Sohriftcn 13. 's*) Schriften 80.