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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
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gebildete noch einmal bilden wollen . . . wird das Werk er-gänzen, verjüngen, neu gestalten" 177 ). Denn das Werk istunvollständig: „Nur das Unvollständige kann begriffen werden,kann uns weiter führen. Das Vollständige wird nur genossen.Wollen wir die Natur begreifen, so müssen wir sie als unvoll-ständig setzen" 178 ). Das gilt auch vom Kunstwerk, aber esgilt nicht als Fiktion, sondern in Wahrheit. Jedes Werk istdem Absolutum der Kunst gegenüber mit Notwendigkeit unvoll-ständig, oder — was dasselbe bedeutet — es ist unvollständiggegenüber seiner eigenen absoluten Idee. ,.Daher sollte"es Jour-nale geben, die die Autoren kunstmäßig medizinisch und chirur-gisch behandelten und nicht bloß die Krankheit aufspürten undmit Schadenfreude bekannt machten ... Eichte Polizei... sucht

177 ) Jügendschrifteh EI, 177. Diese poetische Kritik, die zu-folge der Meisterrezension allein Sache der „Dichter 1 und Künstler"sein soll, ist meist Schlegels eigene, sie ist die von ihm amhöchsten geschätzte Art der Kritik. Zu ihrer Abgrenzung gegendie Charakteristik, wie sie 'die zitierte Stelle enthält, ist diefolgende Bemerkung in der Woldemar-Rezension zu vergleichen:„Nur eine Philosophie, welche auf einer notwendigen Bildungs-stufe des philosophischen Geistes ein Höchstes ganz oder beinaheerreichte, darf man schematisieren und durch weggeschnittene Aus-wüchse und ausgefüllte Lücken in sich zusammenhängender undihrem eigenen Sinn getreuer machen. Eine Philosophie hingegen ...,deren Grund, Ziel, Gesetze und Ganzheit selbst nicht philosophisch,sondern persönlich sind, läßt sich nur charakterisieren." (Jugend-schriften IL, 189.) Die Charakteristik ist also einerseits dem mittel-mäßigen Werk gegenüber am Platze, sie ist andererseits nach derMeisterrezension überhaupt das Verfahren des unpoetischen Kri-tikers. — Mit Recht erkennt Haym (227) in jenem Schematisierenund Ergänzen Kritik, wie sie nach Schlegels Meinung auch derDichtkunst gegenüber als poetische Kritik im oben definierten Sinnbeschaffen ist. Der Titel „Charakteristiken und Kritiken", dendie Brüder Schlegel der Sammlung ihrer Rezensionen gegeben haben,stellt also die nichtpoetische und' die poetische Kritik einandergegenüber. Die erste, d. h. die Charakteristik, hat mit demWesentlichen an Schlegels Begriff der Kunstkritik nichts zu tun.

17S ) Schriften 104f. Vgl. oben 1. Teil, Kap.4 : Der Gegenstand wird inder Erkenntnis gesteigert, ergänzt, kann also nur, wenn er unvoll-ständig ist, erkannt werden. Diese Anschauung hängt mit dem Pro-blem des Lernens, der äudfifr/mg, des noch nicht bewußten "Wissensund seinen mystischen Lösungsversuchen zusammen, nach welchender fragliche Gegenstand gerade ein solcher unvollständiger, und