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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
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Vernichtung, die mögliche Negation in der Reflexion kann alsonicht ins Gewicht fallen gegenüber dem durch und durch Posi-tiven der Erhöhung des Bewußtseins im Reflektierenden. Soführt eine Analysis des romantischen Kritikbejriffs alsbaldauf jenen Zug, der sich in ihrem Portgang immer deutlicherzeigen und vielseitiger begründen wird: die völlige Positivitätdieser Kritik, in der sie von ihrem modernen Begriff, welcherin ihr eine negative Instanz erblickt, sich radikal unter-scheidet.

Jede kritische Erkenntnis eines Gebildes ist als Reflexionin ihm nichts anderes, als ein höherer selbsttätig entsprungenerBewußtseinsgrad desselben. Diese Bewußtseinssteigerung inder Kritik ist prinzipiell unendlich, die Kritik ist also dasMedium, indem sich die Begrenztheit des einzelnen Werkesmethodisch auf die Unendlichkeit der Kunst bezieht und endlichin sie übergeführt wird, denn die Kunst ist, wie es sich vonselbst versteht, als Reflexionsmedium unendlich. Novalis hat,die mediale Reflexion, wie oben angeführt, allgemein als Ro-mantisieren bezeichnet und dabei gewiß nicht nur an die Kunstgedacht. Doch ist, was er so beschreibt, genau das Verfahrender Kunstkritik. „Absolutienmg, Universal isierung. Klassi-fikation des individuellen Moments ... ist das eigentlicheWesen des Romantisierens" 169 ). „Indem ich . . . dem End-lichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere iches" 170 ). Auch vom Kritiker aus, denn als solcher ist der„wahre Leser" der folgenden Bemerkung aufzufassen, bezeichneter die kritische Aufgabe: „Der wahre Leser muß der erweiterteAutor sein. Er ist die höhere Instanz, die die Sache von derniederen Instanz schon vorgearbeitet erhält. Das Gefühl . . .scheidet beim Leser wieder das Rohe und Gebildete des Buchs,und wenn der Leser das Buch nach seiner Idee bearbeitenwürde, so würde ein zweiter Leser noch mehr läutern, undso wird . . . die Masse endlich . . . Glied der wirksamenund so wird die Masse endlich . . . Glied des wirksamenGeistes" 171 ). Das heißt, es soll das einzelne Kunstwerk imMedium der Kunst aufgelöst werden, dieser Prozeß kann aberdurch eine Vielheit einander ablösender 1 Kritiker nur dannsinngemäß dargestellt sein, wenn diese nicht empirische In-"tellekte, sondern personifizierte Reflexionsstufen sind. Es liegtauf der Hand, daß die Potenzierung der Reflexion im Werkauch als solche in seiner Kritik bezeichnet werden kann,welche ja selbst unendlich viele Stufen hat. In diesem Sinne

K») Schriften 499. ™) Schriften 304. 171 ) Schriften 34.