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Geistigen. So entsteht Religion nur, „indem das Herz... sichselbst empfindet" 1 "), und für die Poesie gilt, daß sie „einsich selbst bildendes Wesen ist" 158 ).
Die Erkenntnis in dem Reflexionsmedium der Kunst istdie Aufgabe der Kunstkritik. Für sie gelten alle diejenigenGesetze, welche allgemein für die Gegenstandserkenntnis imReflexionsmediuni bestehen. Die Kritik ist also gegenüberdem Kunstwerk dasselbe, was gegenüber dem Naturgegen-stand die Beobachtung ist, es sind die gleichen Gesetze, die,sich an verschiedenen Gegenständen modifiziert ausprägen.Wenn Novalis sagt: „Was 'zugleich Gedanke und Beobachtungist, ist ein kritischer Keim"'*'), so spricht er — zwar in tauto-logischer Rede, denn die Beobachtung ist e.iu Derikprozeßdie nahe Verwandtschaft zwischen Kritik und Beobachtungaus. Kritik ist also gleichsam ein Experiment am Kunst-werk, durch-welches dessen Reflexion wachgerufen, durch dases zum Bewußtsein und zur Erkenntnis seiner selbst gebrachtwird. „Die echte Rezension sollte . . . das Resultat und dieDarstellung eines philologischen Experiments . . . und einerliterarischen Recherche sein" 160 ). Wiederum nennt Schlegel„eine sogenannte Recherche ... ein historisches Experiment" 161 ),,und im Rückblick auf seine kritische Tätigkeit, den er 1800anstellte, sagte er: „Ich werde es mir nicht versagen, mitden Werken der poetischen und philosophischen Kunst, wiebisher, so auch ferner für mich und die Wissenschaft izuexperimentieren" 162 ). Das Subjekt der Reflexion ist im Grundedas Kunstgebilde selbst, und das Experiment besteht nichtin der Reflexion über ein Gebilde, welche dieses nicht, wiees im Sinn der romantischen Kunstkritik liegt, wesentlichalterieren könnte, sondern in 'der Entfaltung der' Reflexion,d. h. für den Romantiker: des Geistes, in einem Gebilde.
Sofern Kritik Erkenntnis des Kunstwerks ist, ist sie dessenSelbsterkenntnis; sofern sie es beurteilt, geschieht es in dessenSelbstbeurteilung. Die Kritik geht in dieser letzten Ausprä-gung über die Beobachtung hinaus, es zeigt sich in dieserdie Verschiedenheit des Kunstgegenstandes von dem der Natur,der keine Beurteilung zuläßt. Der Gedanke der Selbstbeurtei-lung auf der Grundlage der Reflexion ist auch außerhalb desGebietes der Kunst den Romantikern nicht fremd. So liestman bei Novalis: „Die Philosophie der Wissenschaften hat . . .
'«I Schriften 278 f. '" 3 t .Schriften 331. lä9 ) Schriften 440.'so, A 403. 181) A 4-27. :,a j Jugeiidschriften II, 423.