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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
Entstehung
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Mit der Lehre vom Erkenntnis- und Wahrnehinungsmedimuhängt diejenige von der Beobachtung zusammen, die von un-mittelbarer Bedeutung für das Verständnis des Kritikbegriffsist. Die „Beobachtung" und die mit ihr sehr häufig synonymeBezeichnung des Experiments sind wiederum Vokabeln dermystischen Terminologie; in ihnen gipfelt, was die Frühromantiküber das Prinzip der Naturerkenntnis zu erklären und zu ver-heimlichen hatte. Die Frage, auf welche der Begriff der Be-obachtung antwortet, lautet: welches Verhalten hat derForscher einzuschlagen, um unter der Voraussetzung, daß da*Wirkliche ein Reflexionsmedium sei, die Natur zu erkennen?Er wird wissen, daß keine Erkenntnis ohne die Selbsterkenntnisdes zu erkennenden möglich ist und daß diese durch ein Re-flexionszentrum (den Beobachter) in einem anderen (dem Dinge)nur wachgerufen werden kann, indem das erste durch wieder-holte Reflexionen bis zum Umfassen des zweiten sich steigert.Diese Theorie hat bezeichnenderweise zuerst Fichte für diereine Philosophie ausgesprochen, und damit einen Hinweis da-rauf gegeben, wie tief sie mit den rein erkenntnistheoretischenMotiven des frühromantischen Denkens zusammenhängt. Ei'sagt von der Wissenschäftslehre im Gegensatz zu den anderenPhilosophien: „Dasjenige, was sie zum Gegenstand ihres Denkensmacht, ist nicht ein toter Begriff, der sich gegen ihre Unter-suchung nur leidend verhielte, . . . sondern es ist ein Lebendigesund Tätiges, das aus sich selbst und durch sich selbst Erkennt-nisse erzeugt, und welchem der Philosoph bloß zusieht. SeinGeschäft in der Sache ist nichts weiter, als daß er jenes Leben-dige in zweckmäßige Tätigkeit versetze, dieser Tätigkeit des-selben zusehe, sie auffasse und als Eins begreife. Ei' stellt einExperiment an ... . wie das Objekt sich äußere ist . . .Sache .... des Objekts selbst .... In den entgegengesetztenPhilosophien .... gibt es nur eine Reihe des Denkens, dieder Gedanken des Philosophen, da sein Stoff selbst nicht alsdenkend eingeführt wird" 113 ). Was bei Fichte für das Ich gilt,das gilt bei Novalis vom Naturgegenstand und wird zu einemzentralen Satz der damaligen Naturphilosophie 141 ). Die Bezeich-

l «) Fichte 454.

144 ) Dieser Anschauung- steht auch Goethe uahe. Gewiß decktsieh die letzte Intention seiner Naturbetrachtung durchaus nicht,mit der fraglichen romantischen Theorie, der er fern stand; dennochfindet sich bei ihm, aus anderen Perspektiven heraus, ein Begriffder Empirie, der dem romantischen der Beobachtung sehr nahe-steht: „Es gibt eine zarte Empirie, die sich mit dem Gegenstand