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daß gleichsam zauberisch aus der Einsicht in das Falsche derBindungen die Erkenntnis der Wahrheit sich schwang. Indieser positiven Bedeutung gewinnt das kritische Verfahrendie denkbar nächste Verwandtschaft mit dein reflektierenden,und in Aussprüchen wie dem folgenden gehen beide ineinanderüber: „In jeder Philosophie, die mit Beobachtung 123 ) ihreseigenen Verfahrens, mit Kritik anfängt, hat der Anfang immeretwas Eigentümliches" 12 *). Dasselbe bedeutet es, wenn Schlegelvermutet: „Abstraktion, und besonders praktische, ist wohlam Ende nichts als Kritik" l2;i ). Denn er las bei Pichte, daß„keine Abstraktion . . . ohne Reflexion und keine Reflexionohne Abstraktion" 126 ) möglich sei. So ist es endlich nicht einmalmehr unverständlich, wenn er zum Aerger seines Bruders,der das „wahren Mystizismus" 12 ') nennt, die Behauptung auf-stellt, „jedes Fragment sei kritisch" 128 ), „kritisch und Fragmentewäre tautologisch" 129 ). Denn ein Fragment — auch dies einmystischer Terminus — ist für ihn, wie alles geistige, einReflexionsmedium 129 ). — Nicht so weit, als man meinen sollte,weicht diese positive Betonung des Kritikbegriffs vom Kanti-schen Sprachgebrauch ab. Kant, in dessen Terminologie garnicht wenig mystischer Geist enthalten ist, hatte sie vorbereitet,indem er den beiden verworfenen Standpunkten des Dogma-tismus und Skeptizismus nicht sowohl che wahre Metaphysik,in der sein System gipfeln sollte, als „Kritik", in deren Namenes inauguriert wurde, entgegenhielt. Man darf also sagen, daßder Kritikbegriff bereits bei Kant doppelsinnig spielt, welcherDoppelsinn sich bei den Romantikern potenziert, weil sie durchdas Wort Kritik zugleich auch auf Kants ganze historischeLeistung und nicht nur auf seinen Begriff der Kritik Bezugnehmen. Endlich haben sie auch das unvermeidliche negativeMoment dieses Begriffs zu bewahren und zu verwenden ver-standen. Auf die Dauer konnten che Romantiker eine ungeheureDiskrepanz zwischen dem Anspruch und der Leistung ihrertheoretischen Philosophie nicht übersehen. Da stellt sich wiederzur rechten Zeit das Wort Kritik ein. Denn es besagt, so hochman die Geltung eines kritischen Werkes auch immer be-werte, daß es das Abschließende nicht sein kann. In diesemSinne haben die Romantiker unter dem Namen der Kritik
123 ) sc. bewußter, reflektierender. v2i ) Vorlesungen 23.125 ) Vorlesungen 421. I26 ) Fichte 67.127 ) Aus .Schleiermachers Lehen III, 71. 128 ) Briefe 344129 ) Vgl. dazu A 22, A 20ß.