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Aber er verkennt dabei nicht: „Jene Speculationen werden jafür das Bewußtsein jedes Einzelnen durchaus eine reale Funktionbesessen haben, und es entsteht die schwierige Aufgabe, denInbegriff von Bedürfnis . . . und Erkenntnis zu entwickeln, dendie romantische Schule in allen jenen Hieroglyphen von derTranszendentalpoesie bis zum magischen Idealismus zu be-sitzen meinste" 120 ). Groß ist in der Tat die Anzahl jenerhieroglyphischen Ausdrücke; für einige von ihnen, wie denBegriff der Transzendentalpoesie und der Ironie wird sich eineErklärung im Laufe der Arbeit ergeben, andere, wie die Be-griffe des Semantischen und der Arabeske können hier nurganz kurz, wieder andere, wie z. B. der der Philologie garnicht behandelt werden. Dagegen ist der romantische Begriffder Kritik selbst ein exemplarischer Fall mystischer Termino-logie, und aus diesem Grunde ist denn auch diese Arbeit nichtWiedergabe einer romantischen Theorie der Kunstkritik, sonderndie Analysis ihres Begriffs. Diese kann hier noch nicht seinenGehalt, sondern nur seine terminologischen Beziehungen treffen.Sie führen über die engere Bedeutung des Wortes Kritik alsKunstkritik hinaus, und es muß daher ein Blick auf die merk-würdige Verkettung fallen, durch welche der Begriff der Kritikzum esotherischen Hauptbegriff der Romantischen Schule, nebenjenem Terminus, der ihr den Namen gibt, wurde.
Von allen philosophischen und ästhetischen Fachaus-drücken dürften die Worte Kritik und kritisch in den Schriftender Frühromantiker leicht die häufigsten sein. „Du schaffsteine Kritik" 121 ), schreibt Novalis im Jahre 1796 seinem Freunde,als er ihm das höchste Lob zuteil werden lassen will, und zweiJahre später spricht Schlegel es mit Selbstbewußtsein aus,daß er „aus den Tiefen der Kritik" begonnen habe. „HöhererKritizismus" 122 ) ist den Freunden eine geläufige Bezeichnungfür all ihre theoretischen Bestrebungen. Durch Kants philo-sophisches Werk hatte der Begriff der Kritik für die jüngereGeneration eine gleichsam magische Bedeutung erhalten; jeden-falls verband sich mit ihm ausgesprochenermaßen gerade nichtder Sinn einer bloß beurteilenden, nicht produktiven Geistes-haltung, sondern für die Romantiker und für die spekulativePhilosophie bedeutete der Terminus kritisch: objektiv produk-tiv, schöpferisch aus Besonnenheit. Kritisch sein hieß dieErhebung des Denkens über alle Bindungen so weit treiben,
12 °) Elkuß 91. l21 ) Briefwechsel 17.
!22) Schriften 428, auch „höhere" (A 121) oder „absolute" Kritik