Druckschrift 
Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

— 40 —

ausgesprochen: „Der Gedanke eben, worin man die Weltin eins zusammenfassen und den man wieder zu einer ,Welterweitern kann, ... ist, was man Begriff ;nennt" 102 ). „So wäresenr wohl ein System nur ein umfassender Begriff zu nen-nen"* 03 ). Aber auch wenn im Athenäum gesagt wird: „Esist gleich tödlich für den Geist, ein System zu haben und keinszu haben. Er, wird sich also wohl entschließen müssen, beideszu verbinden"i 0 *), kann als Organon dieser Verbindung wiedernichts anderes als der begriffliche Terminus gedacht sein.Im Begriff allein kann auch die individuelle Natur, che Schlegel,wie gesagt, dem System vindiziert, zum Ausdruck gelangen. —Ganz allgemein heißt es von den sittlichen Menschen: „Eingewisser Mystizismus des Ausdrucks, der bei einer romanti-schen Phantasie und mit grammatischem 105 ) Sinn verbundenetwas sehr reizendes und etwas sehr gutes sein kann, dientihnen oft als Symbol ihrer schönen Geheimnisse" 106 ). Aehnlichschreibt Novalis: „Wie oft fühlt man die Armut au Wörternum mehrere Ideen mit einem Schlage zu treffen" 107 ). Undumgekehrt: „Mehrere Namen sind einer Idee vorteilhaft" 108 ).Die allgemeinste B^lle hat diese mystische Terminologie inder Frühromantik in der Form des Witzes gespielt. NebenFriedrich Schlegel haben sich auch Novalis und Schleiermacherfür dessen Theorie interessiert; sie nimmt in den Fragmentendes ersten einen breiten Raum ein. Im Grunde ist sie keineandere als die Theorie der mystischen Terminologie. Dieseist der Versuch, das System beim Namen zu nennen, d. h.in einem mystischen individuellen Begriff so zu erfassen, daßdie systematischen Zusammenhänge in ihm inbegriffen sind.Die Voraussetzung eines stetigen medialen Zusammenhanges,eines Beflexionsmediums der Begriffe liegt dabei vor. ImWitz tritt, wie im mystischen Terminus, jenes begrifflicheMedium blitzartig in Erscheinung. „Ist aller Witz Prinzipund Organ der Universalphilosophie und alle Philosophie nichtsanderes als der Geist der Universalität, die Wissenschaft allersich ewig mischenden und wieder trennenden Wissenschaften,eine logische Chemie, so ist der Wert und die Würde jenesabsoluten, enthusiastischen, durch und durch materialen Witzes,

102) Vorlesungen 50. i° 3 ) Vorlesungen 55. '•*) A 53.

105 ) Das heißt: ethmylogischem; in mystizistischer Anspielungauf ypctM^ia, Buchstabe. Vgl. Schlegel: „Der Buchstab' ist derechte Zauberstab." (Novalis Briefwechsel, 90.)

"'s) A 414. «OT) Schriften 18. "») Schriften 10.