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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
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griff der Kunst ist in der Athenäumszeit eine — und außer| dem der Geschichte vielleicht die einzige — legitime Erfüllungder systematischen Intention Friedrich Schlegels 90 ). Eine seinertypischen Verschiebungen und Ueberdeckungen möge hier, wennauch vorgreifend, ihre Stelle finden: „Die Kunst, aus demImpulse der strebenden Geistigkeit gestaltend, bindet dieseimmer wieder neuen Formen mit dem Geschehen des gesamtenLebens der Gegenwart und der Vergangenheit. Die Kunstheftet sich nicht an einzelne Geschehnisse der Geschichte,sondern an deren Gesamtheit; vom Gesichtspunkt der sichewig vervollkommnenden' Menschheit aus, faßt sie den Kom-plex der Geschehnisse vereinheitlichend und veranschaulichendzusammen. Die Kritik ... sucht das Menschheitsideal auf-recht zu erhalten, indem sie . . . auf dasjenige Gesetz hinaus-geht, das sich an frühere -Gesetze knüpfend, die Annäherung.an das ewige Menschheitsideal verbürgt" 31 ). Dies ist eineParaphrase des Gedankens in der Condorcet-Kritik des frühenSchlegel (1795). In den Schriften um 1800 nehmen, wie sichnoch ergeben wird, derartige Amalgamierungen und gegen-seitige Trübungen mehrerer Begriffe des Absolutums, die insolcher Vermischung ihre Fruchtbarkeit selbstverständlich ein-büßen, überhand. Wer nach solchen Sätzen sich ein Bildvom tieferen Wesen der Schlegelschen Kunstauffassung machenwollte, müßte notwendig irren.

Schlegels vielfältige Bestimmungsversuche des Absolutenentspringen nicht allein aus einem Mangel, nicht nur ausUnklarheit. Ihnen liegt vielmehr eine eigentümliche positiveTendenz seines Denkens zugrunde. In ihr findet die oben ge-stellte Frage nach dem Grunde der Dunkelheit so vielerSchlegelscher Fragmente und gerade ihrer systematischen In-tentionen ihre Antwort. Das Absolute war für FriedrichSchlegel in der Athenäumszeit allerdings das System in derGestalt der Kunst. Aber er suchte dies Absolute nicht syste-matisch, sondern vielmehr umgekehrt das System absolut zuerfassen. Dies war das Wesen seiner Mystik, und obwohl er

90 ) Sehr interessant ist es, zu verfolgen, wie der Uebergangvon der Bestimmung des Reflexionsmediums als Kunst zu der-jenigen als absolutes Ich sich allmählich vorbereitet. Er voll-zieht sich über die Idee der Menschheit (J 45, 98). Auch dieserBegriff wird als Medium gedacht. (Vgl. auch die Theorie desMittlers A 234, Novalis' Schriften 18 und sonst)

91 ) Pingoud 32 f.