Druckschrift 
Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

— 22 —

verlegen zu können meint, fällt für die Komantiker jene be-sondere ontologische Bestimmung, die in der Setzung liegt,fort. Sein und Setzung hebt das romantische Denken in derEeflexion auf. Die Romantiker gehen vom bloßen Sich-Selbst-Denken als Phänomen aus; es eignet allern, denn alles istSelbst, Für Fichte kommt nur dem Ich ein Selbst zu 38 ), d. h.eine Reflexion existiert einzig und allein korrelativ zu einerSetzung. Für Fichte ist das Bewußtsein „Ich", für die Roman-tiker ist es „Selbst", oder anders gesagt: bei Fichte beziehtsich die Reflexion auf das Ich, bei den Romantikern auf dasbloße Denken, und gerade durch diese letzte Beziehung wird,wie sich noch deutlicher zeigen soll, der eigentümliche roman-tische Reflexionsbegriff konstituiert. — Die Fichtesche Reflexionliegt in der absoluten Thesis, ist Reflexion innerhalb derselbenund soll außerhalb ihrer, weil ins Leere führend, nichts be-deuten. Innerhalb jener Setzung begründet sie das unmittel-bare Bewußtsein, d. h. die Anschauung, und als Reflexiondie intellektuelle Anschauung derselben. Fichtes Philosophiegeht zwar von einer Tathandlung, nicht von einer Tatsacheaus, aber das Wort „Tat" spielt dennoch in einer Unterbedeutungauf „Tatsache", auf das ,,falt accompli" noch an. DieseTathandlung im Sinne der in der Tat ursprünglichen Handlung,und nur sie, wird durch die Mitwirkung der Reflexion ge-gründet. Fichte sagt: „Weil das Subjekt des Satzes 39 ) dasabsolute Subjekt, also Subjekt schlechthin ist, so wird in diesemeinzigen Falle mit der Form des Satzes zugleich sein innerer 1Gehalt gesetzt" 10 ). Also kennt er nur einen einzigen Fall frucht-barer Anwendung der Reflexion, diejenige in der intellektuellenAnschauung. Was aus der Funktion der Reflexion in der intel-lektuellen Anschauung entspringt, ist das absolute Ich, eineTathandlung, und sonach ist das Denken der intellektuellenAnschauung ein relativ gegenständliches Denken. Es ist mitanderen Worten die Reflexion nicht die Methode der Fichte-schen Philosophie; diese hat man vielmehr in dem dialektischenSetzen zu sehen. Die intellektuelle .Anschauung ist Denken, dasseinen Gegenstand, die Reflexion im Sinne der Romantikeraber Denken, das seine Form erzeugt. Denn was bei Fichte nurim „einzigen" Falle stattfindet, eine notwendige Funktion der

38 ) „Selbst setzt . . . den Begriff vom Ich voraus ;• und alleswas darin von Absolutheit gedacht wird, ist aus diesem Begriffeentlehnt." (Fichte 530 Anm.)

39 ) sc. des Satzes „Ich bin Ich". «) Fichte 69.