Druckschrift 
1 (1790)
Seite
182
Einzelbild herunterladen
 

182Sie waren bisher ein gar zu großer Freundvon Gedächtnißübungen. Sie ließen Ihre Zöglin-ge so viel auswendig lernen, als es ihnen mitaller Anstrengung nur immer möglich war. Siebedachten es niemals, daß gerade die besten Kö-pfe dem mechanischen Auswendiglernen am mei-sten gram seyn müsten, weil diese immer nurdeutliche, entwickelte Begriffe lieben, und dunkleunentwickelte Begriffe des Auffassens nicht werthhalten. Sie gaben also dadurch den schlechte-sten Köpfen Gelegenheit und Antrieb, den bessernden Vorrang streitig zu machen; und es bedurftenicht einmal eines solchen Antriebes, um sie vondieser Gelegenheit Vortheil ziehen zu lehren.Weil ihre übrigen Seelenkräfte nicht nur nichtgeübt wurden, sondern auch an sich schon stum-pfer waren, als bei den bessern Köpfen; so ver-stand es sich von selbst, daß die stete Uebung,worin Sie im Gegentheil ihr Gedaͤchtniß hiel-ten, es nach und nach zu einer ungewöhnlichenStärke erheben müste. Und daher kam es dennalso, daß so mancher Knabe, wenn er z. B.eine Predigt ganz oder zum Theil wieder hersagenkonnte, zum Studiren bestimmt zu seyn glaubte,oder von seinen Eltern und Freunden dazu be-stimmt wurde. Man hielt so einen jungen Hel-den