Druckschrift 
Die Garten-Architektur
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

19

Einen höchft originellen Grundrifs befitzt die Villa Pia (Fig. 14 u. 15 8 ), derenAnlage von bedeutender decorativer Wirkung ift. Sie befindet fich in den vatica-nifchen Gärten und ift das Werk von Pirro Ligorio, einem Neapolitanifchen Archi-tekten (1580).

Einzelne der römifchen Villen wurden nie vollendet oder wurden fo vernach-läffigt, dafs fie heute als malerifche Ruinen da flehen, wie z. B. die Villa Madamamit ihren herrlichen Decorationen von Giulio Romano und die Villa Sacchetli (Fig. 16 8 )von Pietro da Cortona (gegen 1626 erbaut).

Unter den Villen des XVIII. Jahrhundertes nimmt die-jenige des Cardinais Albani, 1746 von Carlo Alarchioni undAntonio Nolli gebaut, durch ihre grofsartige Anlage unddurch die Kunftfchätze, die fie birgt, eine hervorragendeStelle ein. Der Cardinal Albani, der ein grofser Kunftfreundwar, wollte, dafs fein Landhaus (Fig. 17 <J ) in der Art derVillen der Alten angelegt würde; er hatte eine grofseMenge von Statuen, Reliefs, Säulen und antiken Fragmentendort verfammelt. Alle diefe Gegenftände find mit vielemTalent aufgeftellt.

Wie fchon bemerkt, befchränkt fich der Reichthuman Villen in Italien nicht auf Rom; prächtige Anlagenfinden wir überall. Die Giardini Boboli in Florenz, die fichdem Palazzo Pitti anfchliefsen, find von aufsergewöhnlichemReiz; fie befitzen ein von Nifchen und Statuen umgebenesAmphitheater, grofse Alleen und fchöne Wafferflächen(Fig. 18).

Eine fpatere Schöpfung von riefigen Abmeffungen

und äufserft decorativer Wirkung ift die Königliche Refi-

denz von Caferta bei Neapel (Fig. 19 10 ), 1751 für Carl III.

von Vanvitelli begonnen. Sie übertrifft an Pracht die früheren Gartenanlagen, bietet

unendlich grofse Perfpectiven und wird durch Aquäducte mit Waffer verfehen, die

fich mit römifchen Leitungen vergleichen laffen.

Villa Pia.

Andere Villen.

Legende zu Fig. 17.

/. Haupteingang.

2. Portikus.

3. Dienftgebäude.

4. Offene Galerie mit antikenStatuen.

5. Gefcbloffene Galerien mitantiken Statuen.

6. 7. Kleiner Tempel.

8. Kleines Mufeum.

9. Laube.

10. Billard.

11. Fontane.

12. Grofse Treppe.

13. Wafferbecken mit Fontäne.

14. Kleiner Tempel.

15. Garten-Pavillon.

16. Cascade.

77. Unterer Garten.18. Nutzgarten.ig. Blumen-Parterre.20. Obere Terraffe.

3

3. Kapitel.Garten-Architektur der Renaiffance in Frankreich.

I

1

*» ia

So wie in der Malerei und in der Architektur machte fich während desXVI. Jahrhundertes auch in der Gartenbaukunft der italienifche Einflufs in den euro-päifchen Culturländern fühlbar. In Frankreich, wo diefe Kunft ungefähr 200 Jahrefpäter zu einem Stil werden follte, der für ganz Europa mafsgebend war, findenwir merkwürdiger Weife während des ganzen XVI. Jahrhundertes keine fehr originelle

8 ) Nach: Percier & Fontaine, a. a. O.

9 ) Facf.-Repr. nach ebendaf.

10) Nach: Mangin, a. a. O.

XVI. Jahr-hundert