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Die Garten-Architektur
Entstehung
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Ein Bild von Peter Stepliani (Steevens, 1540—1620) zeigt uns eine fehrüppige Gartenanlage mit Terraffen und Monumenten (Fig. 29 17 ); das Parterre iftin Quadrate eingetheilt und von Laubgängen umgeben.

Aus einem Kupferftich von M. Merian (1593—1650) erfehen wir, dafs in dererften Hälfte des XVII. Jahrhundertes vollftändige Architekturftücke aus gefchnittenenBäumen in Deutfchland zur Garten-Decoration gehörten (Fig. 30 17 ).

Die Anlagen von Heidelberg mit den grofsen Terraffen, den Grotten undArchitektur-Motiven find zum Theile noch erhalten. Eine gute Anficht des Heidel-berger Gartens im XVIII. Jahrhundert enthält ein Kupferftich von Wenzel Hollar(Fig. 31 1S ) aus dem Jahre 1620. Wir fehen darin ftattliche Laubgänge, Spring-brunnen und Gartenhäuschen, im Vordergrund ein grofses Labyrinth und auf deranderen Terraffe rechts Cabinete aus gefchnittenem Laub.

Zu den grofsartigften Gartenanlagen mit Wafferwerken gehört diejenige desCarlsberges, der heutigen Wilhelmshöhe bei Caffel, welche zu Ende des XVII. Jahr-hundertes von Johann Frans Guemier gebaut wurde.

Am Fufse des Berges plante diefer Künftler die Errichtung eines Schloffes, welches aus einemlang geilreckten Hauptbau beliehen follte, an den fich gegen die Stadt zu kurze Flügel anlegten. DasErdgefchols und das I. Obergefchofs, deren Fenfter eine einfache Umrahmung zeigen, waren durch feit-liche Lifenen und ein abfchliefsendes Gurtgefims zufammengefafft. Beide durchbrach in der Mitte einemächtige, fünffache Bogenftellung, welche den Blick auf die grofsartige Parkanlage eröffnete. Das Haupt-gefchofs, durch das Gefims und die figurenbekrönte Attika abgefchloffen, zeigt in glatter Folge kräftiggebildete, einfache Fenfter. Die ganze Anlage erinnert in ihrer einfachen Gröfse und wuchtigen Geflaltungan römifche Cafinen und begründet fomit die Bezeichnung, welche der Meifter fich beilegte (Architectusromanus). Rückwärts find an den Bau zwei Treppen angelegt, während fonfl die Grundrifsgliederungnur in Quertheilungen des geftreckten Oblongs befleht. Häufer für das Gefolge lagen getrennt vomHauptbau. Die erwähnte Anlage bedeutet jedoch nur den Anfang einer der kühnllen decorativen Gedanken.Die Befchreibung der Wafferwerke und der damit verbundenen Gartenanlagen ift im nächften Abfchnitt(Kap. 3) zu finden.

Grofse Gartenanlagen wurden 1698 von Guerini (vielleicht übereinftimmend mitGuermer) zu Herrenhaufen bei Hannover ausgeführt. Dafelbft ift aufser zahlreichenFontänen, Teichen u. f. w. das grofse, mit vielen couliffenartig geftellten Statuengefchmückte Naturtheater beachtenswerth. Im Jahre 1726 wurde Herrenhaufen mitHannover durch eine prächtige Allee verbunden. Gleichfalls zu Ende des XVII.und am Anfang des XVIII. Jahrhundertes wurde von Fifcher von Erlach der Parkvon Schönbrunn bei Wien mit bedeutenden Wafferkünften angelegt 19 ).

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5. Kapitel.

Garten-Architektur des Barock- und Rococo-Stils in Deutfchland.

Eine ganz befondere Pracht haben die Gärten des XVIII. Jahrhundertes inDeutfchland aufzuweifen. Stark vom franzöfifchen Barockftil beeinflufft find diehundert. Gärten der deutfchen Refidenzen, doch eigenartig und von eigentümlichem Reiz.Der Plan ift ftreng architektonifch durchgeführt; es wäre aber ein grofser Irrthumzu glauben, dafs er eine Nachahmung desjenigen von Verfailles ift. Diefe Annahmewäre eben fo unrichtig für die- Gartenkunft, wie für die Architektur. Denn die

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ls ) Facf.-Repr. nach: Formenfehatz 1879.

)9 ) Nach: Gurlitt, C. Gefchichte des Barock-Stiles, des Rococo und des Klafficismus, Stuttgart