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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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Dank also auch dem guten von Logau, daß er in den wilden Zeiten des Dreißig-jährigen Krieges seine dreitausend Sinn- und andre Gedichte aufschrieb, ober gleich ein deutscher Baron war. Dank einem Dietrich von dem Werder,daß er den Tasso übersetzte und gleichwohl Hofmarschall sein konnte, ja garein Regiment kommandierte. Dank o wie tief haben wir Deutsche anfangen,aus welcher drückenden Barbarei uns hervorarbeiten müssen, die uns nochallenthalben sogar als Ehre, als Vorzug, als Stammes- und Nationalruhmanklebt! Welcher Mann von Ahnen wird ein Poete, ein Savant, ein Philo-sophe sein wollen, wenn er auch ein Tasso, ein Baco, ein Shaftesbury werdenkönnte? Solon und Alexander, Cäsar und Augustus, so viele Fürsten undEdle in Italien, Spanien, Frankreich, England dachten anders.Weil wir also spät kamen, so ahmten wir freilich viel nach: denn wir fandenviel Vortreffliches nachzuahmen." Dies war Natur der Sache, nichts mehrund nichts minder; wer zuletzt kommt, täte sehr unrecht, wenn er nicht nach-ahmte. So folgten die Römer den Griechen, den Römern die Mönche, Mön-chen und Arabern die Provenzalen, den Provenzalen mittel- oder unmittelbaralle gebildeten Nationen Europas; warum sollten diesen nicht die Deutschenfolgen? Alle Kunst ist Nachahmung, nur durch Nachahmug ist der Menschzur Kunst gelangt, nur durch sie ist er Mensch worden. Wäre also auch Nach-ahmung der Charakter unserer Nation und wir ahmten nur mit Besonnen-heit nach: so gereichte dieses Wort uns zur Ehre. Wenn wir von allen Völkernihr Bestes uns eigen machten: so wären wir unter ihnen das, was der Menschgegen alle die Neben- und Mitgeschöpfe ist, von denen er Künste gelernt hat.Er kam zuletzt, sah jedem seine Art ab und übertrifft oder regiert sie alle.Zu diesem Zweck haben wir ein vortreffliches Mittel in unserer Gewalt, unsereSprache, sie kann uns das sein, was dem kunstnachahmenden Menschen dieHand ist. Man rühmt den slavonischen Sprachen nach, daß sie zur Nach-bildung fremder Idiome in jeder Wendung, in jedem Übergang geschickt sein;die deutsche Sprache hat diese Fähigkeit vor allen Töchtern der lateinischen,selbst vor der englischen Sprache. Alle diese sind von Zwitternatur; aus ihrenengeren oder weiteren Schranken können sie nicht hinaus, um sich einerfremden Sprache nur einigermaßen zu bequemen. Vor allem ist die französischeSprache die gebundenste, die gleichsam gar nicht übersetzen, gar nicht nach-bilden kann; eine ewig Ungetreue muß sie alles nur auf ihre, das ist auf einesehr mangelhafte Weise sagen. Die deutsche Sprache, unvermischt mit andern,auf ihrer eignen Wurzel blühend und eine Stiefschwester der vollkommen-sten, der griechischen Sprache, hat eine unglaubliche Gelenkigkeit, sich demAusdrucke, den Wendungen, dem Geist, selbst den Silbenmaßen fremderNationen, sogar Griechen und Römern anzuschließen und zu fügen. Unter derBearbeitung jedes eigentümlichen Geistes wird sie gleichsam eine neue, ihm

eigne Sprache. -------

Einem reichen Dichter unserer Sprache hat man nachgerechnet, daß er inHomers, Pindars, Xenophons, Lucians, Ariosts, Cervantes', Popes, Fieldings,Sternes, sogar des Königs David und der Sultanin Scheherazade Art undManier Psalmen und Märchen, Helden- und Lehrgedichte, Epische Gesängeund Romane geschrieben, gedichtet und gesungen habe. Desto besser. Um

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