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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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199
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DAS GRIECHISCHE VORBILD.

Bevor die innerste Abhängigkeit jeder Kunst von den Griechen, den Griechenvon Homer bis auf Sokrates, überzeugend dargetan war, mußte es uns mitdiesen Griechen ergehen wie den Athenern mit Sokrates. Fast jede Zeit undBildungsstufe hat einmal sich mit tiefem Mißmute von den Griechen zu be-freien gesucht, weil angesichts derselben alles Selbstgeleistete, scheinbar völligOriginelle und recht aufrichtig Bewunderte plötzlich Farbe und Leben zu ver-lieren schien und zur mißlungenen Kopie, ja zur Karikatur zusammen-schrumpfte. Und so bricht immer von neuem einmal der herzliche Ingrimmgegen jenes anmaßliche Völkchen hervor, das sich erkühnte, alles Nichtein-heimische für alle Zeiten alsbarbarisch" zu bezeichnen: wer sind jene, fragtman sich, die, obschon sie nur einen ephemeren historischen Glanz, nurlächerlich engbegrenzte Institutionen, nur eine zweifelhafte Tüchtigkeit derSitte aufzuweisen haben und sogar mit häßlichen Lastern gekennzeichnetsind, doch die Würde und Sonderstellung unter den Völkern in Anspruchnehmen, die dem Genius unter der Masse zukommt? Leider war man nichtso glücklich, den Schierlingsbecher zu finden, mit dem ein solches Weseneinfach abgetan werden konnte: denn alles Gift, das Neid, Verleumdung undIngrimm in sich erzeugte, reichte nicht hin, jene selbstgenugsame Herrlichkeitzu vernichten. Und so schämt und fürchtet man sich vor den Griechen; essei denn, daß einer die Wahrheit über alles achte und so sich auch diese Wahr-heit einzugestehen wage, daß die Griechen unsere und jegliche Kultur alsWagenlenker in den Händen haben, daß aber fast immer Wagen und Pferdevon zu geringem Stoffe und der Glorie ihrer Führer unangemessen sind, diedann es für einen Scherz erachten, ein solches Gespann in den Abgrund zujagen: über den sie selbst, mit dem Sprunge des Achilles, hinwegsetzen.(Friedr. Nietzsche, Die Geburt der Tragödie, 1872.)

DIE ALTEN ALS ERZIEHER.

Wie in den Gymnasien der Alten die Leiber freigeborener Jünglinge geübtwurden, um nicht nur in allen Dingen dem Gebote des Willens gehorchenzu lernen, sondern auch in Gestalt und Bewegung eine edle und freie Weisezu zeigen: so bemächtigen sich unsere Schulen, wenn sie ihren hohen Beruferfüllen sollen, des jugendlichen Geistes, um ihn zu der Freiheit zu erheben,ohne die es keine Würde und Glückseligkeit gibt, und indem sie ihm, ohneRücksicht auf künftigen Gebrauch, unablässig das Größte und Edelste, wie essich in dem Geiste der größten und edelsten Menschen aller Zeiten gestaltetund in den schönsten Formen dargestellt hat, vorhalten, eine solche Liebe undAchtung dafür entzünden, daß er alles Gemeine und Niedrige von sich stößtund jede Blüte der Humanität in sich zu entfalten unablässig bemüht ist.Dieses Bemühen, welches auf das würdigste Ziel gerichtet ist, nimmt jede Kraftdes Geistes in Anspruch, weckt die Schlummernden und stärkt sie durch er-freuliche Übungen, in denen sich alle Zwecke der jugendlichen Erziehung

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