von der Plastik behauptet werden, daß sie göttlich geworden durch der GötterDarstellung. Denn da ihr oblag, die göttliche Herrlichkeit in der Beschränkungmenschlicher Leiber zu zeigen, so konnte sie nicht wie die ägyptische bei einermühsamen Abformung des Wirklichen stehenbleiben, sondern sie mußte schonfrüh auf große und strenge Formen verfallen, in deren faßlichem Ebenmaß sicheine höhere Natur spüren ließ. Darum rühmt Pausanias von Dädalos' Werken,daß sie bei ungeschickter Ausführung dennoch ein hohes und göttlichesWesen hätten ahnden lassen. So geschah im Anfang der Kunst, was Plato denKünstlern seiner Republik als Gesetz vorschreibt, daß sie nichts Unfreies undHäßliches, sowie nichts Unsittliches und Zügelloses bildeten, sondern überallder Natur des Schönen und Anständigen nachstrebten. Da nun ferner derCharakter dieser sinnlich beschränkten Religion genügsame Heiterkeit war,und die Seligkeit der Himmlischen in ihrem leichten Dahinleben bestand,so konnte auch darum dem Schöpfer eines Götterbildes nicht in den Sinnkommen, in der Gestalt eines Gottes an die Bedürftigkeit und mühsameEntwicklung der gemeinen menschlichen Natur zu erinnern. Vielmehrmußten diese Gestalten als mühlos entstandene erscheinen, wie die Aphro-dite der alten Fabel, die in dem flüssigen Element leicht geboren, in voll-endeter, frei entfalteter Schönheit an den blumigen Ufern von Paphos ge-landet war. >-------
So entsprang also die Plastik aus Religion, und zwar nicht aus jenem äußernBedürfnis des Heidentums, dem auch das gestaltlose Symbol als Gegenstand derAnbetung genügt, sondern aus den tiefsten Quellen des hellenischen Anthropo-morphismus. Nachdem man aber zuerst die Tempel der Götter mit den Bildernihrer Beschützer geschmückt hatte, erweiterte sich bald der Kreis der Kunstund nahm alles in sich auf, was nur immer die weiten Grenzen der Götterweltberührte. Auch die Heroen traten in denselben ein, und die Sterblichen, diedurch große Taten, hohe Tugenden oder ausgezeichnetes Glück eine gött-liche Natur und die Gunst des Himmels beurkundet hatten. Hier fand jedesGeschlecht und Alter seinen Platz. Ja, bis an die Grenzen der Tierheit erwei-terte sich dieser Kreis durch die Gestalten der Faunen und Satyrn und andererNaturen gemischter Art. — —
Nachdem nun aber die plastische Kunst auf die erwähnte Weise in dem Schößeder Religion empfangen und erzogen worden, ward sie von dem Staate auf-genommen und auf alle Weise gepflegt. Beide waren eng vereint, doch nichtauf eine so materielle Weise, wie diejenigen Lehren, welche Priesterbetrug undStaatsklugheit für Hebel der alten republikanischen Tugend halten, sonderndurch engere Banden eines geistigen Vereins. Die brennende Vaterlands-liebe, dieses reiche Samenkorn hellenischer Tugenden, war mit'dem Glaubenan die Wunder der alten Götter und Helden auf das engste verschwistert,als welche auf demselben Boden gewandelt und unter ihren Ahnherrnmenschlich gelebt und geliebt hatten. Es war der gläubigen Nachwelt einBedürfnis, ihren Gestalten zu begegnen an jeder heiligen Stelle, wo sie ihreTaten getan, wo sie geboren, wo sie den Banden der Sterblichkeit ent-nommen waren. Die ganze Geschichte des hellenischen Altertums war mitGöttern durchflochten, und der ganze Boden von Hellas war geheiligt durch
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