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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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PANTHEON.

Den Nachmittag ging ich nach der Rotunda; ich hatte den Mann mit denSchlüsseln dahin bestellen lassen, um oben hinaufzusteigen. Sie ist das einzigeWerk von alter Architektur, was in Rom noch ganz ist; das vollkommenstein seinen Verhältnissen und prächtigste dabei wegen seiner Säulen auf demErdboden, die Paulskirche erscheint dagegen doch nur als Flickwerk.Wenn man in die Vorhalle tritt, so ist es, als ob man in das schönste Plätz-chen eines Waldes von lauter hohen, herrlichen Stämmen käme, die ein Gottzu einer Zeit gepflanzt hätte.

Wie breit und mächtig einen dann das Innere selbst umfaßt und bedeckt,ist lauter Majestät, und feierlich stehen unten die Säulen umher und derdämmernde Raum dahinter, wie das Allerheiligste der Gottheiten. Was diesfür eine Ruhe ist! Wie einen so nichts stört! Wie die Rundung mit Liebes-armen umfängt, wie ein leiser Schatten einen umgibt, sodaß man das Gebäudeselbst nicht merkt! Oben Heiterkeit und Freiheit und unten Schönheit. Über-all ist der Tempel schön und harmonisch, man mag sich hinwenden, wo manwill; überall wie die schöne Welt in ihren Kreisen von Sonne und Mond undSternen. Endlich scheint alles lebendig zu werden und die Kuppel sich zubewegen, wenn man an dem reinen süßen Lichte des Himmels oben durch dieweite Öffnung sich eine Zeitlang weidet. Sooft ich mich so ins Stille hinsetzeund meinem Gefühl überlasse, werde ich da entzückt, wie von einem Brunnquellunter kühlen Bäumen zur heißen Zeit. Es ist das erhabenste Gebäude, das ichkenne, selbst Schöpfung und nicht bloß Nachahmung. Die Schönheit vollMajestät scheint alle Barbaren von der Verwüstung zurückgeschreckt zuhaben.

Freilich hat man, was daran zu plündern war, ohne die Mauern nieder-zureißen und in Schutt zu stürzen, doch daraus und davon weggeraubt. Esstand hier eine Minerva aus Gold und Elfenbein von der Hand des Phidias undeine berühmte Venus, welche die halbe Perle zum Ohrgehenke hatte, vonder die andre Hälfte Kleopatra trank, um den Antonius im Verschwenden zuübertreffen, und die man für sich allein auf eine halbe Million Scudi schätzte.Konstantin III. schleppte auch diese Bilder wahrscheinlich mit den andernschönsten Statuen nach Syrakus, so wie er die Silberplatten samt demBronze- und Schmelzwerk herausschlagen ließ, womit das Gewölbe obenverziert war.

Die ursprünglichen Kapitaler von Erz nach dem Plinius an den innerenSäulen sind hernach wieder abgenommen worden und mit weißem Marmorgut ergänzt, der dem Giallo antico des Schaftes lieblich läßt. Davon sind nochdie Basen und das Gesims, das letztere mit Streifen von Porphyr. Die erhaltenenäußeren aber von Granit, wie die kolossalischen Säulen selbst, gehören unter dieschönsten der korinthischen Ordnung, die übrig sind, und machen mit den dreifreistehenden Säulen auf dem Campo Vaccino und dem Bogen des Titus dieMuster hierin aller neuern Baukunst. Wo an einem Gebäude keine Säulensind, fehlt gewiß die edelste, stärkste und schönste Form. Die korinthischen

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