431 aufgeführten Medea zur Aphrodite am Kephissos beten läßt, sie möge „alsder Weisheit Besitzer die Liebesgötter senden, jeder Tüchtigkeit Förderer".(Herrn. Usener, Organisation der wissenschaftlichen Arbeit, 1884.)
PLATO UND ARISTOTELES.
Plato verhält sich zu der Welt wie ein seliger Geist, dem es beliebt, einigeZeit auf ihr zu herbergen. Es ist ihm nicht sowohl darum zu tun, sie kennenzu lernen, weil er sie schon voraussetzt, als ihr dasjenige, was er mitbringtund was ihr so not tut, freundlich mitzuteilen. Er dringt in die Tiefen, mehrum sie mit seinem Wesen auszufüllen, als um sie zu erforschen. Er bewegt sichnach der Höhe, mit Sehnsucht seines Ursprungs wieder teilhaft zu werden.Alles was er äußert, bezieht sich auf ein ewig Ganzes, Gutes, Wahres, Schö-nes, dessen Forderung er in jedem Busen aufzuregen strebt. Was er sich imeinzelnen von irdischem Wissen zueignet, schmilzt, ja man kann sagen ver-dampft in seiner Methode, in seinem Vortrag.
Aristoteles hingegen steht zu der Welt wie ein Mann, ein baumeisterlicher.Er ist nun einmal hier und soll hier wirken und schaffen. Er erkundigt sichnach dem Boden, aber nicht weiter, als bis er Grund findet. Von da bis zumMittelpunkt der Erde ist ihm das Übrige gleichgültig. Er umzieht einen Un-geheuern Grundkreis für sein Gebäude, schafft Materialien von allen Seitenher, ordnet sie, schichtet sie auf und steigt so in regelmäßiger Form pyramiden-artig in die Höhe, wenn Plato einem Obelisken, ja einer spitzen Flamme gleich,den Himmel sucht.
Wenn ein Paar solcher Männer, die sich gewissermaßen in die Menschheitteilten, als getrennte Repräsentanten herrlicher, nicht leicht zu vereinenderEigenschaften auftraten, wenn sie das Glück hatten, sich vollkommen aus-zubilden, das an ihnen Ausgebildete vollkommen auszusprechen und nichtetwa in kurzen, lakonischen Sätzen gleich Orakelsprüchen, sondern in aus-führlichen, ausgeführten, mannigfaltigen Werken, wenn diese Werke zumBesten der Menschheit übrigblieben und immerfort mehr oder weniger stu-diert und betrachtet wurden: so folgt natürlich, daß die Welt, insofern sie alsempfindend und denkend anzusehen ist, genötigt war, sich einem oder dem an-dern hinzugeben, einen oder den andern als Meister, Lehrer, Führer anzuer-kennen. (Joh. Wolfgang Goethe, Geschichte der Farbenlehre, 1810.)
POSEIDONIOS.
Poseidonios ist vielleicht der größte Augendenker der Antike. Ob er diePossierlichkeit der Affen beschreibt, die er in einem Walde an der libyschenKüste sah, wohin ein Sturm ihn auf der Rückreise von Gades verschlagenhatte („Ich sah in Meeresnähe ein Gehölz dieser Tiere voll; die einen in denBäumen, die anderen auf der Erde; einige hielten ihre Jungen und gaben ihnendie Brust; und ich mußte lachen, als ich auch hängebrüstige und kahlköpfigeund kropfhälsige unter ihnen sah und andere Gebrechen mehr"), oder dieTracht der Kelten; oder den Aufzug des Athenion, dieses Hohns auf einen
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