Worte, weder des Nachts zu schlafen, noch bei Tage irgendwo auszudauernvermöge bei ihrem Wahnsinn die Liebe, sondern sehnsüchtig eile sie immerdahin, wo sie den, der die Schönheit besitzt, zu erblicken hoffe. Wie Sapphodem Alcaeus, den Scham zu reden hindert, vorwirft, daß wenn gut und schöndas wäre, was er begehre, nichts ihn hindern könne, frei zu sprechen, so sagtSokrates, es sei schöner, öffentlich lieben als verstohlen und zwar vorzüglichdie Edelsten und Besten. Schildert jene Eros als das bittersüße Ungetüm,so hebt auch Sokrates die stete Verbindung von Schmerz und Wonne hervorund weist darauf hin, daß der Besitzer der Schönheit der einzige Arzt sei fürdie unerträglichen Schmerzen. Schildert Sappho die Wirkung des Anblicksder Schönheit als schmerzhafte Erregung, welche die Zunge festbannt, dasAuge verdunkelt, mit kaltem Schweiß den Körper bedeckt, mit Zittern dieGlieder schüttelt, nennt sie dabei den Genuß doch einen göttergleichen, sowerden wir an Sokrates' Worte erinnert, in welchen er, um die Empfindungeneines in die höhere Schönheit Eingeweihten darzustellen, erst von Schauderund Ängsten, dann von Fieber, Schweiß und ungewohnter Hitze spricht. Undwenn ferner von Eros ausgesagt wird, immer wandle er umher, das Schönezu suchen, worin er erzeugen könne: habe er es gefunden, dann unternehmeer sogleich zu unterweisen und besitze eine Fülle der Rede über Tugend, wennweiter die Tonkunst als Wissenschaft der Liebe, diese als Schöpfer der Dichter,die Begeisterung für Einen als geringfügig und nur die allem Schönen dar-gebrachte Huldigung als würdige Liebe dargestellt, von der innern Einheitdes in der Idee Schönen, von der höhern Göttlichkeit des Liebhabers als desGeliebten, weil nur in jenem der Gott wohne, und wieder von dem Dienen desGrößern und dessen Ringen um die Gegenliebe des Geringern gesprochenwird: so scheint unter der Hand des großen Künstlers Sapphos Bild immerkenntlicher aus dem zuvor rohen Marmor hervorzutreten. Welch ein Schau-spiel, zwei der schönsten Gestalten des Altertums in solcher Verbindung zuerblicken, derselbe Eros beflügelt Sappho und Sokrates, ist für sie kein bloßerName, sondern lebendig wirkende Gottheitskraft, der Bildner ihrer Seele, wieer als der größte Wohltäter für das Staats- und Privatleben gepriesen und indieser lebendigen Wirksamkeit angerufen wird. Beide erkennen in ihm deneinzigen Urheber aller Erhebung der Seelen; seinem Triebe folgend widmensich beide der Erziehung ihres Geschlechts, dem Werke der Zeugung in demSchönen, das für sie Ausgangspunkt jeder sittlichen Größe wird. SeinemFluge folgend gelangen beide zu jener Region, wo nicht die Erscheinung,sondern das Wesen der Schönheit wohnt, denn Eros ist seiner Natur nachder Unsterblichkeit verwandt. (Joh. Jak. Bachofen, Das Mutterrecht, 1861.)
DIE PLATONISCHE AKADEMIE.
Die Schöpfung der Wissenschaft des griechischen nicht nur sondern über-haupt des klassischen Altertums, ist das Werk von nur zwei oder, um demäußeren Anschein zulieb das äußerste zuzugeben, von drei Generationen: desPiaton, des Aristoteles und der unmittelbaren Schüler des letzteren. Wennman erwägt, daß seit dieser Epoche außer der Medizin nur die eigentlich
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