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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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aus; in einem abgelegenen Heiligtum, unter Götterbildern, neben kalter,ruhig - erhabener Architektur mag so ein Wesen begreiflicher erscheinen.Unter Menschen war Heraklit als Mensch unglaublich, und wenn er wohlgesehen wurde, wie er auf das Spiel lärmender Kinder achtgab, so hater jedenfalls dabei bedacht, was nie ein Mensch bei solcher Gelegenheit be-dacht hat: das Spiel des großen Weltenkindes Zeus. Er brauchte die Menschennicht, auch nicht für seine Erkenntnisse; an allem, was man etwa von ihnenerfragen konnte und was die andern Weisen vor ihm zu erfragen bemühtgewesen waren, lag ihm nicht. Er sprach mit Geringschätzung von solchenfragenden, sammelnden, kurzhistorischen" Menschen. ,,Mich selbst suchteund erforschte ich", sagte er von sich, mit einem Worte, durch das man dasErforschen eines Orakels bezeichnet: als ob er der wahre Erfüller und Voll-ender der Delphischen SatzungErkenne dich selbst" sei und niemandsonst.

Was er aber aus diesem Orakel heraushörte, das hielt er für unsterblicheund ewig deutenswerte Weisheit von unbegrenzter Wirkung in die Ferne, nachdem Vorbild der prophetischen Reden der Sibylle. Es ist genug für die spätesteMenschheit: mag sie es nur wie Orakelsprüche sich deuten lassen, was er wieder delphische Gottweder aussagt, noch verbirgt". Ob es gleich von ihmohne Lächeln, Putz und Salbenduft", vielmehr wie mitschäumendemMunde" verkündet wird, es muß zu den tausenden Jahren der Zukunftdringen. Denn die Welt braucht ewig die Wahrheit, also braucht sie ewigHeraklit: obschon er ihrer nicht bedarf. Was geht ihn sein Ruhm an? DerRuhm beiimmerfort fließenden Sterblichen"! wie er höhnisch ausruft. SeinRuhm geht die Menschen etwas an, nicht ihn, die Unsterblichkeit der Mensch-heit braucht ihn, nicht er die Unsterblichkeit des Menschen Heraklit. Das,was er schaute, die Lehre vom Gesetz im Werden und vom Spiel inder Notwendigkeit, muß von jetzt ab ewig geschaut werden: er hat vondiesem größten Schauspiel den Vorhang aufgezogen. (Friedr. Nietzsche, DiePhilosophie im tragischen Zeitalter der Griechen, 1873.)

EMPEDOKLES.

So schien der Widerstreit der Kunst, des Denkens, des Ordnens, des bilden-den Menschencharakters und der bewußtloseren Natur gelöst, in den höchstenExtremen zu Einem und bis zum Tauschen der gegenseitigen unterscheidendenForm vereinigt. Dies war der Zauber, womit Empedokles in seiner Welt er-schien. Die Natur, welche seine freigeisterischen Zeitgenossen mit ihrer Machtund ihrem Reize nur um so gewaltiger beherrschte, je unerkenntlicher sievon ihr abstrahierten, sie erschien mit allen ihren Melodien im Geiste undMunde dieses Mannes und so innig und warm und persönlich, wie wenn seinHerz das ihre wäre und der Geist des Elements in menschlicher Gestalt unterden Sterblichen wohnte. Dies gab ihm seine Anmut, seine Furchtbarkeit,seine Göttlichkeit, und alle Herzen, die der Sturm des Schicksals bewegte,und Geister, die in der rätselhaften Nacht der Zeit unstät und ohne Leiter hinund wieder irrten, flogen ihm zu, und je menschlicher, näher ihrem eigenen

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