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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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von Pindars wahrem Geiste und seiner tieferen Einsicht, die ihn, nachahmendoder erklärend, für einen unbesonnenen Stürmer, für einen trunkenen tollenSchwärmer halten. Sein Gang ist so fest und kühn, der Plan seiner Oden istGebäuden gleich so tief und groß angelegt, seine Bilder sind so erlesen, diePfeile seines Gesanges treffen so kühn, daß, wie schon Horaz aus eigener Er-fahrung meldet, diesem Dädalus nachzufliegen ein Wagstück sein möchte.Ihn hebt und treibt Himmelsluft, und in ihr sein eigener, nicht stürmischer,

aber starker und erhabener Geist.--------

Pindar, als ein Held des Gesanges, weckt und führt zum Ruhm, er singetGriechen, die von Göttern und Helden entsproßt waren, er bildet und schafftHelden. Bildnerei, Eido- und Eidolopöie möchte man seine lyrische Gattungnennen, wie er dann auch seine Gesänge selbst mit lebendigen redenden Bild-säulen vergleicht.

In einem höheren Sinne leuchtet Pindar allen lyrischen Dichtern vor, alsBote der Götter, Bildner der Jugend, Ausleger der Geschichte und Sagen.Ohne Dichtkunst liegen diese wie tote Steine Deukalions und der Pyrrhada; der lyrische Dichter erhebt sie, wirft sie, und siehe, sie leben. EinOdenmacher, der, in den engen Kreis der Gegenwart eingeschlossen, bloßlobt, tadelt oder zum Genuß reizt, bleibt ein Dichter des Moments, wird vonder fortrückenden Zeit bald vergessen, oder besteht vor ihr mit Schande.Der lyrische Dichter, der rückwärts und vor sich hinausblickt, der die Ver-gangenheit und Zukunft in seinem Herzen trägt, gesandt vom Himmel, er-hebt er das menschliche Gemüt und wird ein Ausleger, ja ein Schöpfer derZeiten. (Joh. Gottfr. Herder, Pindar, ein Bote der Götter, 1803.)

SOPHOKLES.

Im Gemüte des Sophokles war die göttliche Trunkenheit des Dionysos, dietiefe Erfindsamkeit der Athene und die leise Besonnenheit des Apollo gleich-mäßig verschmolzen. Mit Zaubermacht entrückt seine Dichtung die Geisterihren Sitzen und versetzt sie in eine höhere Welt; mit süßer Gewalt lockt erdie Herzen und reißt sie unwiderstehlich fort. Aber ein großer Meister in derseltenen Kunst des Schicklichen weiß er auch durch den glücklichsten Ge-brauch der größten tragischen Kraft die höchste Schonung zu erreichen.Gewaltig im Rührenden wie im Schrecklichen ist er dennoch nie bitter odergräßlich. In stetem Schrecken würden wir bis zur Bewußtlosigkeit erstarren,*n steter Rührung zerschmelzen. Sophokles hingegen weiß Schrecken undRührung im vollkommensten Gleichgewicht wohltätig zu mischen, an treffen-den Stellen durch entzückende Freude und frische Anmut köstlich zu würzen,u nd dieses schöne Leben in gleichmäßiger Spannung über das Ganze zu ver-breiten. --------

er attische Zauber seiner Sprache vereinigt die rege Fülle des Homerusynd die sanfte Pracht des Pindarus mit durchgearbeiteter Bestimmtheit. Diekühnen und großen aber harten, eckigten und schneidenden Umrisse des^schylus sind in der Diktion des Sophokles bis zu einer scharfen Richtigkeit,

ls zu einer weichen Vollendung verfeinert, gemildert und ausgebildet.

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