sich quellenreiche Abhänge und eine fruchtbare Ebene und vor sich das weiteInselmeer mit den wichtigsten Wasserstraßen, das einst tiefer als jetzt mitHafenbuchten in die Ebene eingriff. Der Lage der Burg entspricht der Ruhmihrer Fürsten, wie er sich in den Königssagen Ilions abspiegelt. Denn dasGeschlecht der Dardaniden war ein von den Göttern hoch begnadigtes; siezogen seine Jünglinge zu sich empor in den Himmel, sie verließen den Olymp,wie Aphrodite tat, um mit den Helden dieses Stammes der Liebe zu pflegen.(Ernst Curtius, Griechische Geschichte, 1887/89 6. A.)
SIZILIEN IM WELTBILD DER ALTEN.
Schon die älteste Sage hatte dieses Eiland mit dem Zauber der wunder-reichen Märchenwelt geschmückt. Da büßte der gewaltige Titane Typhoeusseinen Frevel gegen den Vater der Götter unter dem Ätna, und Feuerströmeund Erzittern der Erde verkündeten seinen ohnmächtigen Grimm; da haustendie einäugigen Kyklopen, die rohen Gesellen Vulkans; dort fanden ihre an-gemessene Heimat die Riesengestalten der Laestrygonen, denen Odysseus nurmit Verlust seiner Schiffe entging; da drohte unter furchtbarem Brausen dieCharybdis unvorsichtigen Schiffern augenblicklichen Tod. Aber auf dem-selben Eiland waren die fruchtbaren Auen, über welche Demeter ihren un-erschöpflichen Segen verbreitet; in den Blumengefilden von Enna ward dieProserpina im kindischen Spiele von dem Fürsten der Unterwelt auf schwarzenRossen entführt. In Eryx, dem Sitze des heitern Dienstes der kyprischenGöttin, hatte Herakles im blutigen Ringkampf den trutzigen Gegner erschla-gen. Auf dieser Insel hatte Daedalus Schutz vor seinen Verfolgern gesucht.In Camicus hatte Minos, der Herrscher von Kreta, Zeus' trauter Genosse, seintatenreiches Leben durch Verrat und Tücke geendet. Dorthin hatte Laomedondie dem Tode geweihten Jungfrauen gesendet. So war die Insel in der alternSage die Marke menschlicher Bestrebungen geworden, jenseits welcher dergeheimnisvolle Westen und der unbekannte Süden in dunkler Verborgenheitlag. Durch die goldenen Weizenfelder mit Campanien wetteifernd, hat dieInsel durch das palmenreiche Selinus die Nähe Libyens kundgetan. (FranzDoroth. Gerlach, Historische Studien, 1841.)
DIE GRIECHEN IM OSTEN UND WESTEN.
Mit der Morgenröte steigt der junge Tag empor, im fernen Westen be-schließt die Sonne ihren Lauf. Ist auch die menschliche Entwicklung nichtvöllig analog, so setzen doch die Erscheinungen, die der Westen bietet, denVorgang des Ostens überall voraus. Dort der kecke Mut der Jugend und derrasche Aufschwung der erst erwachten Kraft, hier die besonnene Überlegungund der Ernst des Gedankens. Dort das liebevolle Umfassen der äußern Natur,das Hingeben an Gestalt und Stoff, hier die Einkehr in die Tiefe der eignenBrust; dort das Streben in die weite Ferne und das Schweifen der Phantasiein ungemessenen Räumen, hier das ruhige Verweilen und das Versenken in
36