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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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Schönheitssinn erwogen, welcher sogar die Jünglinge (nach Theophrast) inElea in männlicher Schönheit wetteifern ließ, und der den Malern Bildsäulen,ja in Rhodus Tempel setzte; der Schönheitssinn ferner, welcher einen Jüng-ling, bloß weil er schön war, nach dem Tode in einem Tempel anbetete oderbei Lebzeiten als Priester darin aufstellte, und welchem das Schauspiel wich-tiger als ein Feldzug, die öffentlichen Richter über ein Preisgedicht so ange-legen waren als die Richter über ein Leben, und welcher den Siegeswageneines Dichters oder Künstlers durch sein ganzes Volk rollen ließ. Ein Land,wo alles verschönert wurde, von der Kleidung bis zur Furie, so wie in heißenLändern in Luft und Wäldern jede Gestalt, sogar das Raubtier mit feurigen,prangenden Bildungen und Farben fliegt und läuft, indes das kalte Meer un-beholfene, zahllose und doch einförmige, das Land nachäffende, graue Unge-stalten trägt. Ein Land, wo in allen Gassen und Tempeln die Lyrasaitender Kunst wie aufgestellte Äolsharfen von selber erklangen. Nun diesesschönheitstrunkene Volk noch mit einer heitern Religion in Aug und Herz,welche Götter nicht durch Büß- sondern durch Freudentage versöhnte und,als wäre der Tempel schon der Olymp, nur Tänze und Spiele und die Künsteder Schönheit verordnete und mit ihren Festen wie mit Weinreben drei Vierteldes Jahres berauschend umschlang. Und dieses Volk, mit seinen Götternschöner und näher befreundet als irgendeines von seiner heroischen Vorzeitan, wo sich, wie auf einem hohen Vorgebirge stehend, seine Heldenahnenriesenhaft unter die Götter verloren, bis zur Gegenwart, worin auf der von lau-ter Gottheiten bewohnten oder verdoppelten Natur in jedem Haine ein Gottoder sein Tempel war, und wo für alle menschlichen Fragen und Wünsche wiefür jede Blume irgendein Gott ein Mensch wurde, und wo das Irdische überalldas Überirdische, aber sanft wie einen blauen Himmel über und um sich hatte. Ist nun einmal ein Volk schon so im Leben verherrlicht und schon im Mit-tagsschein von einem Zauberrauche umflossen, den andere Völker erst inihrem Gedicht auftreiben: wie werden erst, müssen wir alle sagen, um solcheJünglinge, die unter Rosen und unter der Aurora wachen, die Morgenträumeder Dichtkunst spielen, wenn sie darunter schlummern wie werden dieNachtblumen sich in die Tagblumen mischen wie werden sie das Frühlings-leben der Erde auf Dichtersternen wiederholen wie werden sie sogar dieSchmerzen an Freuden schlingen mit Venusgürteln?

Auch die Heftigkeit, womit wir Nordleute ein solches Gemälde entwerfenund beschauen, verrät das Erstaunen der Armut. Nicht wie die Bewohnerder warmen schönen Länder an die ewige Gleiche der Nacht und des Tagesgewöhnt, das heißt des Lebens und der Poesie, ergreift uns sehr natürlich nachder längsten Nacht ein längster Tag desto stärker, und es wird uns schwer, unsfür die Dürre des Lebens nicht durch die Üppigkeit des Traumes zu entschä-digen. (Jean Paul, Vorschule der Ästhetik, 1804.)

DER GRIECHISCHE JÜNGLING.

Die Schönheit der Jünglinge in der Kunst hat die griechische Poesie süßbegleitet. In Dichtern und Weltweisen, von Plato bis zu Plutarch, von

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