Druckschrift 
2 (1915) Die Zentralverwaltung des Heeres und der Steuern
Entstehung
Seite
284
Einzelbild herunterladen
 

284 II- Kap., 2. Abschn. Finanzquellen und Kassenverwaltung.

2. Die Stempelkasse und die Marine- und Chargenkassen.

Trotz des einheitlichen Oberbaues, den die Kriegskassen-verwaltung durch ihre Zentralkasse in den letzten Jahrzehntenerhalten, bot sie in den Provinzkassen noch immer das Bildbuntester Mannigfaltigkeit; denn der absolutistische Staat hatte seineProvinzen wohl darin zu einer Einheit gezwungen, daß sie steuerten,aber noch nicht darin, wie sie steuerten; überall war die Art undHöhe der Einkünfte mehr durch historische Momente und selbstaugenblickliche Bedürfnisse als gleichmäßige Grundsätze bedingt,und obwohl wenigstens die städtischen Akzisen schon stärker aufden einheitlichen Plänen der Zentralverwaltung aufgebaut waren,spiegelten auch sie noch mehr den Unterschied der alten Lande,als die neue Staatseinheit wieder. Die Einkünfte zweier Steuernjedoch, die nach der Festigung der Zentralgewalt unter demGeneralkommissariat Grumbkows eingerichtet wurden, die derStempelsteuer und der Chargen- und Marinesteuer, beruhten schonganz auf dem neuen Staatsgedanken einer Einheitlichkeit undGleichförmigkeit der Lasten für alle Provinzen und erhielten daherbei der Neuheit ihrer Erscheinung, die sich dem alten Gefüge nochnirgends recht eingliederte, auch besondere Kassenverwaltungenan der Zentrale.

Schon im zweiten Jahrzehnt seiner Regierung hatte der Kur-fürst den Versuch gemacht, in der Kurmark eine Stempelsteuereinzuführen. Bei seiner Anwesenheit in Cleve im Jahre 1649 warenihm von dem Holländer Gerhard Dyckmann eine Anzahl Pläne fürindirekte Steuern vorgelegt worden, von denen er bei der großenVerwaltungsreform von 1651 die Stempelsteuer einzuführen suchte.Ein Holländer, Peter van der Cruys, lieferte das geeignete Papier,Dyckmann wurde zum Kommissar und Direktor der neuen Ver-waltung, ein dritter Holländer, der Admiral Arnold Gysells van Lier,nebst Otto von Schwerin und Joachim Schultze zu „Commissarienund Controlleurs über die Affairen des kleinen Siegels" ernannt 1 .Aber der Widerstand der Geheimen Räte und der Stände, vondenen besonders die Ritterschaft eine Beschwerung des Grund-besitzes befürchtete, war so stark, daß der Kurfürst schon im

1 Kontrakt mit Cruys vom 13./23. Nov. 1650. — Kurf. an Geh. Räte, Cleve,12. April 1651. — Bestallungen Dyckmanns usw. Cleve, 19. April 1651. Geh. St.R. 9, L. 13.