198 L Kap., 2. Abschn. Die gesamtstaatliche Militär- u. Steuerverwaltung.
mühte sich nicht minder ab: er berief den Direktor Kuhlemaimmit sämtlichen Akziseakten der Stadt aus den letzten vier Jahrenins Generalkommissariat; die besten Beamten der ZentralbehördeBork, Willmann und Krause führten unter Danckelmans eignerLeitung und der Beihülfe seines Bruders Wilhelm Heinrich dieUntersuchung, um zu erfahren, warum ein Steuersystem, das überalldie Einkünfte des Kurfürsten und den Wohlstand der Städteförderte, warum eine Verwaltung, die überall den ordnenden Geist,die einheitliche Leitung des neuen Beamtenstaates an die Stelledes ständischen Wirrwarrs setzte, gerade in Minden so schlechteFrüchte trug 1 .
Ein Erfolg konnte natürlich nicht gewonnen werden, da dieGründe wirtschaftspolitischer Natur waren und als solche nichterkannt wurden. Dies war um so seltsamer, als man in dem be-nachbarten Ravensberg aus solchen Gründen die Einführungder Akzise auf den Vortrag des Halberstädtischen Kammerpräsi-denten von Lüderitz, der auch in Minden eine Weile die Unter-suchungen führte, unterlassen hatte 2 . Die Steuerverwaltung bliebdaher in Ravensberg lange Zeit fast völlig in den Händen derStände und neben den vier Drosteu, den vier Deputierten derRitterschaft, dein Landkommissar und dem Landsyndikus vertratnur der Landschreiber, dessen Amt sich mit einer kurzen Unter-brechung in der Familie Meinders forterbte 3 , die kurfürstlichenInteressen. Der Laudschreiber wurde freilich 1677 auch trotz desProtestes der Stände zum Oberlandeinnehmer ernannt und ihmeine „Hauptkasse" unterstellt, deren monatliche oder vierteljährlicheExtrakte zur Revision und zur Aufstellung des Etats nach Berlingesandt werden mußten. Denn „der Etat der Grafschaft wirdmonatlich bei Hofe (d. h. im Generalkommissariat) formiert undvon S. Churfürstlichten Durchlaucht per rescriptum an die Drosten
1 Die zahlreichen Akten über diese Untersuchungen befinden sich im R. 82, 23und (ien. Dir. Minden, tit. 59, Sect. II, No. 1. Sämtliche Konzepte sind von(irunibkow und seit 1691 von l). L. Danckelman gezeichnet.
2 Auch der Landrentmeister Meinders hatte die Einführung widerraten.Rachel, Handelspolitik, 544.
■ Johann Meinders bis 1648; Isphording von 1648—57; Johann HeinrichMeinders von 1657—78 und Arnold Heinrich Meinders von 1678—1715. AuchFranz Meinders hatte 1658 eine Kxspektanz auf diese Stelle gehabt. Spannagel,Minden und Ravensberg, 136—137 u. 800—201.