Der Kriegsrat von 1630—1641. 33
Rates und des Kriegsrates war so durch die PersönlichkeitSchwarzenbergs aufs äußerste beschränkt, und sein Wille wurdein allen Angelegenheiten von Bedeutung ausschlaggebend. Aberwährend die Tätigkeit des Geheimen llates überhaupt immer wenigerzur Geltung kam, steigerte der Kriegsrat seine praktische Tätig-keit in den folgenden Jahren unter dem Druck der kriegerischenEreignisse immer mehr und wurde in der Hand Schwarzenbergsdie herrschende Behörde, nachdem dieser die Statthalterschaft inden Marken erhalten hatte und ihm die völlige Direktion desganzen Kriegswesens anvertraut worden war }. Zunächst suchteer den Kriegsrat wieder in seinem Sinne zu vervollständigen.Denn Andreas Koch war inzwischen an der Pest gestorben, Balzervon Brunn wurde bald, wie gesagt, nach dem Tode Knesebecks vomKurfürsten nach Preußen berufen 2 . Als die großen Werbungen von1636/37 daher neue Arbeitskräfte erforderten, wurden nach undnach Erasmus Seidel (25. Juli 1636), Johann Fromholdt (1. Juni1637), Christian von Lindstedt (15. August 1638), nach Lindstedtsfrühem Tode im Jahre 1639 der Kammergerichtsrat Balthasar vonder Marwitz (16. Sept. vereidigt) und der Rat Matthaeus Wesenbeck(24. Juni) zu Kriegsräten ernannt und die Geheimen Räte SebastianStripe und Dr. Peter Fritze öfter zum Kriegsrat hinzugezogen;im Februar 1641 wurde dann noch der Kammergerichtsrat Balthasarvon Dequede in den Kriegsrat berufen, und auch Hans von Waldowbeteiligte sich zu dieser Zeit an seinen Sitzungen 3 . Der Kriegs-kanzlei stand nach dem Tode Jobst Weilers, der ebenfalls denTitel Kriegsrat geführt hatte, schon seit dem August 1635 alsGeheimer Sekretär Johann Stellmacher vor, den der Große Kur-fürst später als den eigentlichen „Intimus des Herrn Meisters"
1 Vgl. Punkt 7 der Instr. vom 26. Aug. 1638. Prot. u. Rel. I, 100(rechte Spalte).
2 Schwarzenberg an denKurf. Spandau, 27. Aug. 1638. — Kurf. an Schwarzen-berg. Crotin, 21. Sept. 1638. Geh. St. R. 21, 136k.
8 Geh. St. R. 9 J. 8 u. 10; 0 2. — Holtze, Gesch. des Kammergerichts,I, 165-167. — Meinardus, Prot. u. Rel. I, Einl. XXVIII u. LXXXII. — Ineinem „Votum der Geheimen Kammergerichts- u. Kriegsräte" von Colin, 9. Dez.1638 zeichnen Fritze, Stripe, Seidel und Fromhold. — In einer Rel. von Spandau5. Nov. 1638 berichtet Schwarzenberg, daß Seidel vom Kriegsrat gern befreitwäre, weil er auch die jülischen Sachen habe; er habe aber beides auf sich ge-nommen. Geh. St. R. 21, 136k.
Urk. 0. Aktenat. (. (lasch, d. Knrf. Kriedr. Wilh. 1, f. 3