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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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Deutschland war jetzt nicht mehr jene Wildniß der Ger-manier im Tacitus; die Moräste waren abgezapft, die Wäl-der gelichtet oder niedergebrannt; Luft und Sonne hattenfreysn Spielraum, Klima, Lebensart und Einwohner hattensich gebessert. Selbst in seinen innern Theilen wechselten blü-hende Städte mit Dörfern und Flecken ab; Handlung, Künsteund Gewerbe beschäftigten bereits einen beträchtlichen Theil sei-ner Einwohner; mehrere Fürstenthümer hatten einen großenLänderumfang und ihre Fürsten liebten Pracht. Der fortgesetzteUmgang mit Italien und andern Reichen von Europa bey denvielen Römer - und andern Ritterzügen; die fremden Sitten,die man hatte kennen lerne»; die bessern Muster, die manhäufig vor sich sah, und der edle Eifer, ihnen gleich zu wer-den, hatte eine heilsame Revolution in dem Gemürhe derDeutschen, in ihrem innern und äußern Wesen, angefangen.Lebensart und Sitten wurden verfeinert, Kenntnisse und Be-griffe erweitert, die Jdeenmaffe vergrößert, Ton und Den-kungsart vergeistiget; und da die Sprache immer der Verbes-serung und Verfeinerung der Denkart folgt, so war der edlereTheil von Deutschland allmählig zum Besitze von allem demgelangt, was zum Anfänge einer National-Literatur gehörte.

Ihre Morgenrothe brach nun an, und zwar in Alemanien,d. i. in Schwaben mit Inbegriff eines großen Theils der Schweiz.Von da verbreitete sie ihre Strahlen, in nicht gar langer Zeit,über die übrigen Provinzen Deutschlands in dem Maße, inwelchem jede ihres Lichtes empfänglich war. Auch in Deutsch-land war, wie in dem übrigen Europa, Ritter-Poesie derVorbothe besserer Kenntnisse, und worüber man sich wundernmöchte, sie zeichnete sich sogleich von ihrem ersten Anfänge andurch harmonische Gesänge aus.

Soll diese Harmonie und Lieblichkeit der Sprache keinunlösbares Räthsel seyn, so muß nothwendig Alemanien schonvor der Periode seines uns bekannten Minnegesangs Liederund Gesang geliebt, und seinen Dialect durch Reime aus-gebildet haben. Denn eine Sprache von so vieler LieblichkeitPhilosoph. Abtheil. VI. Ba»h. C c