3g5
der Hölle schon an seinem Krankenlager; wie er sich hinwarfüber die Trümmer gescheiterter Hoffnungen und laut aufweintegen Himmel, aber sich stets wieder aufriß als Mann und wie-der da stand voll Muthes und Kraft, und rüstig fortbauete -nimmer neuen Entwürfen; wie jeder Strahl der Hoffnung, derdem Elenden erschien, ihm das Herz mit Entzücken schwellte,und als der Letzte in trübe, ewige Nacht dahin schwand, wieer da, jeder Freude und jedem Trost entsagend, sich tief in dieEinsamkeit barg, und die Erde ihm nichts mehr war, als einKerker, und die Sehnsucht nach Auflösung und Ewigkeit ihmvon nun an die ganze Seele füllte: alle diese Thaten und dieseLeiden standen geschrieben vor Gott, nach ihrer ganzen Lauter-keit, Verdienstlichkeit, Schönheit.
So wie er fortlas, der Engel, so glühte ihm seine Wangevon immer höherem Feuer, sein Alhem ward lauter, sein Blickbeseelter und rings um ihn her wallte reineres, holderes Licht;denn Eifer für Wahrheit und Recht — und wann er thaten-los, nichts als Zeugniß und Thronen opferte, weil ihm Tha-ten versagt waren — ist von hohem, unnennbarem Werche imHimmel.
Aber noch stand der Greis, den Blick zur Wolke gesenkt,und trüben, denkenden Ernst auf der Stirne; denn ihm preßtedas Herz jener unselige Rathschlag, womit er einst in unbe-dachter Verzweiflung, um das eine Volk zu erleichtern, dasandere erdrückte. Alle Gedanken seiner Seele schweiften um-her am Gambia und am Senegal, bis tief in's Innerste jenesWelttheils, wo verrätherischer, ewiger Krieg den BarbarenEuropa's Myriaden auf Myriaden in ihre Kette liefert. Undsie kam endlich, nach unzähligen bessern, diese gefürchtete Thar,schwarz und scheuslich in ihren Folgen, wie eine Unthat derHölle, und reicher an Blut und Thronen, als sie, die je derreumüthige Greis in der finstersten seiner Nächte träumte. AlleGräuel der Bosheit und alle Wehklage der Unschuld war imAndenken vor Gott; aller unsägliche, undenkbare, unendlicheJammer im Mutterlands, auf dem Meere, auf den Inseln;