3?2
Sie ihn aber ini Reinen haben, so ist die Arbeit schon halbvollendet. Schreiben Sie eher keine Sylbe auf, bis der Planganz hell, deutlich, fest, mit allen seinen Haupktheilen vorihrem Geiste steht; dann schreiben Sie ihn in logischer Ord-nung auf; eine Übung, die Ihnen ein richtig logisches Denkenunvermerkt zur Nacur machen wird. Beobachten Sie diese Re-gel nicht, und schreibe» auf, was und wie eS Ihnen beyfällt,so gerathen Sie in's Schwatzen und niemahls wird Ordnungin ihren Schriften herrschen; oder schreiben Sie den Plan zufrüh auf, ehe er im Kopfe ganz ausgebildet ist, so wird erdadurch zu fest geprägt, als daß Sie ihm wieder so leichteine andere, bessere Form geben, oder ihn wesentlich verändernkönnten. Die Gedanken sind nun schon in diesen Zaun gebannt;ein Unrechtes Glied wird nur mit Mühe wieder versetzt, undoft bekommt ein ganzes Werk damit Unform und falsche Rich-tung. Kurz, der Plan muß das Gedachteste seyn.
Ist er einmahl hell im Kopfe, dann überlassen Sie sichihrem Feuer, und suchen das ganze Werk in einem Guß auf-zustellen, ohne für einmahl allzu ängstlich an einzelnen Theilenzu künsteln. Das Erste, worauf bey der Ausführung gesehenwerden muß, ist Kraft und Energie. Kommt diese nicht beymersten Entwürfe hinein, so laßt sie sich auf keine Weise durchKünsteley nachhohlen. — Hierauf lassen Sie die Arbeit eineWeile liegen und treiben ein anderes Geschäft, bis sie Ihnenfast ganz aus dem Kopfe gekommen ist. Erst dann ist es Zeit(denn ich setze voraus, daß Sie indessen an Kenntnissen undCulrur schon wieder um etwas fortgeschritten seyen), an dieCorrectur zu gehen. Da wird Ihnen ihre eigene Sache wieder«neu seyn, und die Fehler werden ihrem geübter» Auge gleichauffallen. Langsam, bedachtlich, sorgfältig bis auf die Beobach-tung der Orthographie, und zu wiederhohlken Mahlen, mußdiese Correctur geschehen.
Den menschlichen Körper möchte ich zuin Vorbilde einerguten Composition anweisen. Das Gerippe, das alles erhältund stützt, die Adern und Flechsen, welche die Glieder ver-