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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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Wohlwollen einzuflößen, dessen Wirkungen man eigentlich ver-nünftige Wohlrhaten für das ganze menschliche Geschlecht nen-nen könnte. Und von dem Wohlwollenden gilt es erst, daß ihmZufriedenheit und vergnügtes Bewußtseyn von innen lohnen,so wie ihm von außen sein Ruhm in jedem Gesichte freundlichlächelt. Kein Tag geht ihm ungenützt vorüber, und das Da-seyn wird zum Leben für ihn. Er laßt in seinem Hause Ge-rechtigkeit und Erbarmen wie Schwestern beysammen wohnen.Seine Nachbarn lieben ihn; ihn segnen Fremde, und wer etwaim ersten Augenblicke ihn gelästert hatte, bittet ihn nachhermit Thronen um Verzeihung. Bey der Nachricht von seinemTode ist die erste Regung jedes Nachgebliebenen eine Regungdes Mitleids mit sich selbst, und unmittelbar hernach spricht injedem Auge eine stille Zähre seine Leichenrede.

Nur selten werden uns die trefflichen Menschen bekannt,bey welchen die ersprießliche Vereinigung des guten Herzens mitdem Wohlwollen sich findet; es sey nun, daß sie wirklich eineseltene Erscheinung auf dieser Erde sey, oder auch, daß nurwenige zu der vortheilhafcen Stellung gelangen, wo sie dieWirkungen jener Vereinigung recht sichtbar machen können.

Da, wo die Verwandlung des guten Herzens in dasWohlwollen Vorgehen soll, muß erst die Raupenhaut gänzlichabgestreist seyn. Wir dürfen nicht mehr langsam von einem Ne-bengeschöpfe zum andern kriechen; wir müssen auffliegen kön-nen, um alles, was unter den Erschaffenen lebt, webt und ist,besonders aber unfern Erdkreis, zu übersehen, und mit gleicherNeigung zu umfassen- Und wie ist dieß möglich? Dadurch, daßwir erkennen, wir gehören alle einem und dem nahmlichen Herrnan, seyen alle zum Frieden als Nebenunterthanen erschaffen,durch tausend Bande vereiniget, durch jedes stärker angezogeneBand glücklicher, durch jede Wohlthat vollkommener, gegen alleDinge außer uns zur Dankbarkeit verpflichtet, weil auch sieuns beständig vollkommener machen. Wenn sich alle diese Ge-danken vereinigen, in einander schlingen, und sich einerdem andern fest anhängen: so entstehen daraus ein Vorsatz,