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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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Weisheit und uneigennützige Güte gelenkt werden: so könnenauch in seiner Religion die Handlungen des höchsten Wesenskeine andere Quelle haben; und selbst die Übel, womit diegroße Kette der erschaffenen Dinge durchflochten scheint, kön-nen ihm keine Ausflüsse des Eigennutzes und der Selbstsuchtseyn, die Anderer Wohl ihrem Vergnügen aufopfert. DerEigennützige bedarf stets solcher Opfer, und was sollte ihn be-wegen, sie sich zu versagen? Wie sollte aber der Allgenug-same, oder auch nur der, dessen Tugend seine Glückseligkeit,so weit es die Schwachheit eines endlichen Wesens zuläßt, vonden äußern Dingen unabhängig gemacht hat, eigennützig seynkönnen?

Wenn dann der letzte Zweck aller meiner freyen Hand-lungen die Vollkommenheit meiner Seele, die verhältnißmä-ßige Übung und Erhöhung aller ihrer Kräfte ist: so kann esmir nicht lange zweifelhaft bleiben, wo ich die Elemente allermeiner moralischen Urtheile zu suchen habe. Ich kann sie nurin meinem Innern finden.

Von den Grund-Ideen, in die sich das Gefühl der Ver-pflichtung zur Liebe eines Wohlthäters auflösen läßt, ist keineeinzige eine Empfindung der körperlichen Sinne. Durch dieWohlthat, die uns ein Wohlthäter erzeigt, wird er für unsein Gegenstand, der unsere Liebe interessier, indem er unsgütig, zuvorkommend, liebreich erscheint; das erfahren mir,wenn wir uns selbst beobachten. Was aber Liebe sey; wer kanndas wissen, als wer geliebt hat, und die Bewegung seinesHerzens beobachten kann.

Daß wir nothwendig das Bessere wollen, und also den-jenigen, der unser Wohl und Vergnügen vermehrt, der so füruns der Bessere ist, auch mit unserer innigem Liebe nothwen-dig auszeichnen müssen; daß wir verpflichtet sind, ihn mehr alsAndere zu lieben: das hängt von dem unveränderlichen Gesetzeunsers Willens ab, das zu wollen, was wir innig als dasBessere fühlen. Dieses Gesetz aber erfahren wir in jedem Au-genblicke unsers Lebens.