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gen und Vergrößerungen ihrer Macht bedacht waren , ver-hauchten sie allmählig die ursprüngliche Energie ihres Geistes;und als ste nach vielen Kriegen die Früchte des Sieges zu ge-nießen ansingen, war die Kraft ihres Busens in eben demMaße erkaltet, in welchem ihre Sinnlichkeit aufgeregt war.Jetzt sehnten sie sich nach Ruhe, die ihnen der Despotismusgewährte, und nichts reizte sie mehr, als was ihrer Sinnlich-keit schmeichelte. Üppige Pracht und unterhaltende Vergnü-gungen wurden nun der Zielpunct ihres Strebens, und bey-des hofften sie durch die Künste und Wissenschaften zu erhalten.Aus Ehrgeiz wollten sie nicht unwissender und fühlloser erschei-nen, als die von ihnen bezwungenen Völker, und da sie un-geheure Reichthümer aus allen Gegenden nach Rom zusammengebracht harten, so besaßen sie Geld und Macht genug, umKünstler aller Art an sich zu ziehen und ansehnlich zu besolden.Unter solchen Umständen konnten aber die Künste und Wissen-schaften die Kräfte der Nation nicht stärken und beleben. AlsWerkzeuge des Lupus und als Befriedigungsmittel der Sinn-lichkeit geehrt, nicht aber aus uneigennützigem Interesse ge-liebt, mußten sie selbst zur Erschlaffung der Nation immer mehrbeytragen, so daß, je hoher sie stiegen, desto mehr die innereKraft des Staates abnahm.
5. Parallele zwischen dem Charakter derGriechen und Römer.
Ich komme jetzt, meinem Plane gemäß, zur Schilderungdes Charakters beyder Nationen. Es versteht sich aber vonselbst, daß hier von keiner umständlichen Schilderung aller ein-zelnen Charakterzüge der Griechen und Römer nach den ver-schiedenen Zeiten und Umständen ihrer Geschichte die Rede seynkann. Eine solche Schilderung würde mehr Raum und größereVorbereitung erfordern, als mir hier vergönnt ist. Alles, wasich hier lhun kann, besteht nur darin, die auffallenden Eigen-tbümlichkeiten in der Denk- und Handlungsweise der Griechenund Römer darzustellen, den Total-Eindruck zu schildern, den